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Musik aus MV

Walter Martinez – Kubanischer Rhythmus an der Warnow

Walter Martinez – Kubanischer Rhythmus an der Warnow

Jul 26
Wenn im Rostocker Klostergarten die ersten Takte erklingen, bricht das Eis im kühlen Norden meistens binnen Sekunden. Spätestens wenn die Hüften schwingen, vergisst man glatt, dass man an der Ostsee steht und nicht an der Strandpromenade von Havanna. Kopf, Herz und unermüdlicher Motor hinter diesem musikalischen Kurzurlaub ist Walter Martinez. Der Ende der 1970er Jahre auf Kuba geborene Vollblutmusiker ist seit über zwei Jahrzehnten eine feste Größe in der Rostocker Kulturszene.

Walters Weg nach Rostock begann am 14. Februar 2002 – ausgerechnet am Valentinstag. Damals war der Schlagzeuger und Perkussionist aus Pinar del Río mit der Enkelin des legendären Buena Vista Social Club (Addys Mercedes) auf Europa-Tournee. Ein Zwischenstopp führte die Band auf das Rostocker Kulturschiff MS Stubnitz. Ein Abend, der sein Leben komplett auf den Kopf stellen sollte.
„Ich habe sie gesehen und mich sofort verliebt. Zu sagen, ich hätte mir in der Sekunde mein ganzes Leben mit ihr vorgestellt, klingt vielleicht extrem nach Hollywood, aber ich war sofort unglaublich hingezogen. Ich wusste: Diese Frau will ich behalten.“
Aus dem Flirt beim Tanzen auf der Stubnitz wurde die ganz große Liebe. Im Juli 2004 packte Walter endgültig seine Koffer und zog nach Rostock. Heute lebt die fünfköpfige Familie glücklich in einer großen Wohnung in Evershagen. Und das musikalische Gen liegt im Blut: Alle drei Kinder nehmen heute bei Papa Schlagzeugunterricht. „Ich habe gehört, dass Kinder das oft nicht wollen. Aber ich habe Glück. Ich habe wohl irgendetwas richtig gemacht“, schmunzelt Walter.

Bloß keine Schubladen: Vom Crossover zum Salsa-Hype
In Rostock angekommen, suchte Walter schnell Anschluss an die lokale Musikszene. Über eine Zeitungsanzeige fand er den bekannten Rostocker Jazzer Andreas Pasternak – Walters erster Gig an der Warnow im Herbst 2004 bei der Big Band Night im Ursprung. Eine musikalische Freundschaft, die bis heute hält, genau wie seine Projekte mit Thomas Putensen oder der Rostocker Formation Superphon.
Doch Walters ganz große Leidenschaft bleibt seine eigene Musik. 2014 gründete er zusammen mit Enrique Marcano (Venezuela) am Bass und Urs Benterbusch an der Gitarre das Walter Martinez Trio. „Ich wollte am Anfang eine Fusion-Band, keine reine Salsa-Band“, erklärt Walter. „Ich wollte die Songs, die ich im Kopf hatte, ohne irgendwelche Schubladen spielen.“ Erst mit den Jahren kam die Metamorphose: Die Nachfrage nach tanzbaren Events stieg massiv an. Walter passte sich an. Heute bedient er meisterhaft beide Welten: den intimen Konzertcharakter für Zuhörer und die brodelnde Tanzfläche für das Salsa-Publikum.

Das Ein-Mann-Orchester: Die Musik darf niemals aufhören
Das größte Geheimnis von Walter Martinez? Seine unbändige Resilienz und ein fast schon unheimliches Multitasking-Talent. Profimusiker sind viel beschäftigt – hat die Stammbesetzung mal keine Zeit, ist das für Walter kein Grund, den Gig abzusagen. Seine Devise lautet: Niemals aufhören. Für sein Soloprogramm hat er sich deshalb über Jahre beigebracht, eine ganze Band im Alleingang zu ersetzen. „Das ist meine größte Herausforderung, wenn ich alleine spiele. Aber der Bedarf, dass die Leute tanzen wollen, ist immer da. Mein Ziel ist es, das Publikum zu bewegen.“
Wenn Walter nicht gerade solo das Publikum einheizt, holt er sich hochkarätige Verstärkung auf die Bühne, die dem Sound immer wieder neue Klangfarben verpasst: Franklin Ahedo (Kuba/Stralsund): Teilt sich mit Walter den Gesang. Gemeinsam liefern sie zweistimmige Schwerstarbeit und Franklin sorgt mit Percussion und feuriger Tanzanimation für beste Stimmung. Urs Benterbusch: Bringt mit seiner akustischen Gitarre einen wunderschönen, sanften Latin-Pop-Klang à la Enrique Iglesias in die Band. Alexander Falcon (Kuba/Berlin): Ein absolutes Phänomen am Klavier. Eigentlich ausgebildeter Schlagzeuger, spielt er die Tasten extrem perkussiv – mit der linken Hand den Bass, mit der rechten das Klavier. Dario Riot (Kolumbien) & Nacho (Kuba): Dario am Bass entlastet die Pianisten für die ganz großen Melodien, während Nacho an der Trompete das klassische Havanna-Feeling komplettiert. Unterstützt wird die Band zudem regelmäßig von Tänzerin Tabea, die bei vielen Open-Air-Gigs mit einem Tanz-Workshop das Publikum aufwärmt und die Massen in Bewegung bringt.

Das bittersüße Gefühl von Heimat
Trotz des Erfolgs und der Liebe zu Rostock bleibt ein Teil von Walters Herz auf Kuba. Letztes Jahr war er das letzte Mal drüben – die Flüge sind seit der Pandemie extrem teuer geworden. Seine Familie lebt nach wie vor auf der Karibikinsel.
„Sie sind natürlich unheimlich stolz auf mich, dass ich mir in Rostock ein Leben aufgebaut habe“, sagt er leise. „Aber wenn die Familie so gespalten ist, ist das nie schön. Das ist der bittersüße Punkt.“
Genau diese Sehnsucht, gepaart mit purer Lebensfreude, transportiert er in seinen Texten, wie im Song „Rumba con Juana“. Es geht um die typische Kubanerin, die trotz aller Sorgen im Leben den Raum betritt und sofort die Sonne aufgehen lässt. Und genau dieses Gefühl bringt Walter verlässlich nach Rostock. „Die Leute hier lieben meine Kultur. Ich habe mein Publikum gefunden – und mein Zuhause.“
antje benda

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