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Musik aus MV

Smoking Hut On Stones … und das Vermächtnis von „Sjut“

Smoking Hut On Stones … und das Vermächtnis von „Sjut“

Jun 26
Es gibt Momente in einer Bandgeschichte, da verblasst die Musik vor der nackten Wucht des Lebens. Für Smoking Hut On Stones schlug dieser Moment am 6. Januar 2016 ein, als ihr Schlagzeuger Frank „Sjut“ Gerken unerwartet an einer Hirnblutung verstarb und eine fundamentale Lücke hinterließ – nicht nur musikalisch. Zehn Jahre und eine pandemische Zäsur später blickt die Band auf ihr viertes und wohl intimstes Album „Sjut“. Sie setzen damit ihrem verstorbenen Freund ein facettenreiches Denkmal. Eine musikalische Chronik über Trauer, kollektive Therapie und bittersüße Reife.

In ihrer ursprünglichen Besetzung waren Smoking Hut On Stones ein eingeschworener Kreis: Christoph an der Gitarre, Marcel am Bass, Tom als Sänger und an der Gitarre und Frank an den Drums. Als Frank im Januar 2016 aus dem Leben gerissen wurde, stand ihr drittes Album „Live Goes By“ mit dem 30. Januar kurz vor dem Release. Nach einer Phase der Schockstarre entschied sich die Band weiterzumachen – allerdings in einer, wie sie es nennen, „abgespeckten“ Form. 
„Musik ist sehr wichtig für uns. Wir haben uns über die Jahre viel erspielt, und das war uns als Hobby extrem wichtig. Es ist am Ende auch eine gewisse Therapie für uns gewesen“, so Sänger Tom. 
Die Jahre danach glichen einer Odyssee der Besetzung. 2017 stieß Kai (Gründungsmitglied der Crushing Caspars) an den Drums dazu. Später übernahm Til das Schlagzeug, während in den Jahren 2018 und 2019 intensiv an den neuen Songs gefeilt wurde. Doch kurz vor der geplanten Vorproduktion stieg Bassist Marcel aus familiären Gründen aus. In einer Phase, in der die Band ohnehin nicht wusste, wie es weitergehen sollte, standen sie plötzlich komplett ohne Rhythmusfraktion da. Schließlich fanden sie in Josef Schröder an den Drums, Robert Lefold (Gitarre und Artwork) und Aggi Becker (ehemals Tricky Lobsters) am Bass ein neues, stabiles Fundament.
„Wir waren gar nicht auf ein starres Bandkonstrukt festgelegt, sondern viel mehr auf das Projekt an sich. Das war eine wirklich glückliche Fügung“,sagt Gitarrist und Songwriter Christoph.

„Sjut“: Eine Reise durch die Songs
Warum es ein ganzes Album brauchte, um den Verlust von Frank zu verarbeiten? Weil Trauer viele Gesichter hat. Das Album schert sich nicht um Genregrenzen – es vereint Metal, Rock und Pop. Wo früher Kritiker nach Schubladen wie Sludge Metal (à la Mastodon oder Down) suchten, winkt die Band heute ab. Für sie ist es schlicht gereifte, ehrliche Rockmusik, die nach vorne geht und das Schubladendenken aufbricht. „Shooting Star“ ist dabei der emotionale Kern und wohl der wahrhaftigste Song der Platte. Die Strophen beschreiben exakt die Realität jenes schmerzhaften Januartages. Der Song verarbeitet die traumatische Fahrt ins Krankenhaus. Tom erinnert sich, dass er den ganzen Abend vergeblich nach einer Sternschnuppe Ausschau hielt, um sich etwas zu wünschen. Die traurige Wahrheit spiegelt sich auch in der Musik wider: Die Akkordfolge erinnert an eine klassische Etüde – untypisch für einen Rocksong.
Viel mehr Rock brachte Aggi am Bass mit ein und veränderte die musikalische DNA von Smoking Hut On Stones grundlegend. Zwar wirkte er beim Songwiriting nicht direkt mit, doch brachte er während des Produktions- und Aufnahmeprozesses frische Ideen ein, die den Songs eine neue Dynamik einbrachte. Der Song „Other Side“, bekam durch Aggis Bearbeitung eine völlig neue, faszinierende „Fluffigkeit“. Der von Christoph geschriebener Track „Forever 31“ schaut von der anderen Seite direkt auf den Grabstein und seine Jahreszeiten. Gast-Sängerin Lina Bartos  (Schwester von Ostmaul, ehemals bei ihm im Background) leiht dem Song ihre Stimme. Der Text verarbeitet das Unfassbare: Frank hatte gerade sein Haus fertiggestellt, seinen Meister absolviert, seine Frau war schwanger – und plötzlich fällt er tot um.
Tom: „Das ist total schlimm, und man will irgendwie weitermachen. Wenn ich heute hinhöre, merke ich erst, wie wir damals versucht haben, uns die Situation schönzureden. Der Song malt diese tragisch-schönen Bilder.“
Der finale Track „Symphony Of Tragedy“ fast die gesamte Geschichte monumental zusammen. Orchestriert wurde das Stück von Corvin Bahn (bekannt aus dem Umfeld von Chris Harms / Lord of the Lost). Der Pianist arrangierte ein beeindruckendes 65-Spuren-Orchester innerhalb von nur drei Tagen. Aufgenommen und gemixt wurde das Werk in den renommierten Chameleon Recording Studios in Hamburg, wo auch Ikonen wie Slash oder Deep Purple live gemixt wurden.
Ein wesentlicher Grund, warum „Sjut“ diese emotionale Tiefe erreichen konnte, ist Jörg Peters. Für die Band ist er die geduldige sechste Person im Gefüge. Da der Prozess durch Berufe, Alltag und die Pandemie extrem in die Länge gezogen wurde, wäre ein klassisch gemietetes Studio unbezahlbar geworden. Im Blue Hospital Studio von Jörg konnten Smoking Hut On Stones flexibel arbeiten – es war ein essenzieller Teil ihrer kollektiven Therapie. „Man braucht im Studio ein Wohlfühlgefühl. Zu Jörger zu kommen, ist wie nach Hause zu kommen. Er treibt einen zu Hochleistungen an“, schwärmt Tom. Jeder Song wurde einzeln und ohne Zeitdruck exakt nach seinen Bedürfnissen bearbeitet. Es gab dieses Mal schlicht keine Grenzen.

Die Rückkehr im Peter-Weiss-Haus
Am 2. Mai 2026 schloss sich für die Band im Rostocker Peter-Weiss-Haus ein Kreis. Das Release-Konzert zu Ehren von „Sjut“ wurde zu einem hochemotionalen Triumph. Die Band startete nach der Vorband Dias kurz nach neun Uhr abends ihr Set. Das Intro bildete das orchestrale „Symphony Of Tragedy“ – ein mutiger Schritt, der perfekt funktionierte. Die Band nutzte einen Backing-Track für das komplexe Orchester und stimmte sich präzise mit den Live-Instrumenten ab. „Dass das so reibungslos funktionierte, war ein unheimlich stolzer Moment für uns alle“, erinnert sich Christoph.
Als besonderes Highlight holte die Band bei dem Song „Für nichts passiert“ den Musiker Ostmaul auf die Bühne, der mit seiner massiven Bühnenpräsenz den Saal komplett einnahm. Mit Jani am Licht und Jörger am Mischpult wurde der Abend zu einem runden, atmosphärischen Gesamtkunstwerk. Genau dafür haben sie live ihr Bestes gegeben - heute wie damals – um die Musik im ganzen Körper zu spüren und diese intensive, bittersüße Reise mit ihren Fans zu teilen.
 
Antje Benda

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