Musik aus MV
30 Jahre Bad Penny
Feb 26
Wer an Folk-Rock aus Rostock denkt, kommt an einem Namen nicht vorbei: Bad Penny. Seit nunmehr drei Jahrzehnten trägt die Band um Frontmann Ola van Sander den Sound der grünen Insel in unsere Heimat. Wir haben uns mit Ola über das anstehende Jubiläum, die neue Vinyl und die Kunst, einer Legende den Hintern zu retten, unterhalten.
Es gibt Bands, die leuchten kurz auf und verschwinden wieder. Und dann gibt es Institutionen. Bad Penny gehört definitiv zur zweiten Kategorie. Gegründet Mitte der 1990er unter anderem von Ola van Sander und seinem langjährigen Weggefährten Peter „Piet“ Möller, feiert die Formation in diesem Jahr ihr 30-jähriges Bestehen.
Dass der Name „Ola van Sander“ oft prominent vor dem Bandnamen steht, hat einen pragmatischen Grund: Mitgründer Piet ist im „echten Leben“ Biologe und oft auf Forschungsreise auf See. „Damit die Leute wissen, wer auf jeden Fall auf der Bühne steht, haben wir meinen Namen etwas mehr in den Fokus gerückt“, erklärt Ola schmunzelnd. Doch Bad Penny ist eine eingeschworene Truppe. Die aktuelle Besetzung ist seit sechs Jahren stabil – eine Seltenheit im intensiven Tourgeschäft. Mit dabei sind heute Musiker wie der Tastenvirtuose Peter Möller, der „Rock ’n’ Roll im Blut hat“, Dimi Reznik an Gitarre, Bass und Mikrofon, Vlad Grischenko an den Drums und Michael Meier am Bass.
Von Güstrow nach Connemara: Der Sound der Freiheit
Passend zum Jubiläum haben sich die Jungs einen Traum erfüllt: Die erste eigene Vinyl. „Connemara“ heißt das gute Stück, gepresst im regionalen Presswerk in Güstrow. „Eigentlich ein Muss für jeden Fan“, findet Ola, selbst bekennender Vinyl-Liebhaber. Die Platte ist auf 500 Stück limitiert und vereint genau das, was Bad Penny ausmacht: Die Brücke zwischen der rauen Ostseeküste und den mystischen Highlands.
Musikalisch bleibt sich die Band treu: Folk-Rock mit tiefen irischen und schottischen Wurzeln. Neben Klassikern wie „Whiskey in the Jar“ oder „Molly Malone“ finden sich starke Eigenkompositionen auf der Platte. Der Titelsong „Connemara“ ist eine Hommage an Olas Lieblingslandstrich im Nordwesten Irlands – ein Ort der Ruhe, weit weg vom Massentourismus. „Dort hat man seine Ruhe, es wirkt noch der Golfstrom und es ist einer der schönsten Flecken der Welt“, schwärmt er.
Als die Rostocker Thin Lizzy retteten
Olas Verbindung zu Irland ist tief. Schon 1999 reiste er allein mit der Gitarre auf die Insel. Später spielte er mit Bad Penny auf Festivals und tourten auch mit irischen Größen. Eine Anekdote ist dabei besonders hängengeblieben: Beim berühmten Rory Gallagher Festival fiel mitten im Set von Eric Bell (Gründungsmitglied von Thin Lizzy) die Anlage aus. Während die irische Gelassenheit hier an ihre Grenzen stieß, rettete die norddeutsche Gründlichkeit den Abend. „Wir Deutschen haben ja immer alles doppelt dabei“, lacht Ola. Kurzerhand liehen die Rostocker der Legende ihre Verstärker – und die Show konnte weitergehen. Solche Momente schweißen zusammen, und so ist es kein Wunder, dass die Band auch heute noch enge Kontakte zur irischen Szene pflegt, etwa zu Steve Cooney, dem Ex-Mann von Sinéad O’Connor, der sie jüngst sogar zu einem gemeinsamen Konzert einlud.
Das große Ziel: Die Stadthalle Rostock
Nach ausverkauften Shows unter anderem in der Blechbüchse in Zinnowitz, der Scala in Leverkusen, die Klangbar in Hamburg-Bergedorf, der Wunderbar in Bad Sülze oder dem Kamp-Theater in Bad Doberan wagt Bad Penny nun den nächsten großen Schritt. Anfang November soll das große Jubiläumskonzert im Saal 2 der Rostocker Stadthalle steigen.
„Wir wollten zeigen, was wir uns über die Jahrzehnte erarbeitet haben“, so Ola. Der Saal bietet Platz für bis zu 600 Gäste – ein mutiger Schritt, der aber konsequent ist, wenn man bedenkt, dass die Band auch bei Events wie dem Hansetag oder großen Open-Airs vor Tausenden spielt. Fans dürfen sich auf Überraschungsgäste freuen: Musiker der Rocktails-Familie, wie etwa von Five Men on the Rocks oder der „Bruce Springsteen des Nordens“, Max Zeug, sind fest eingeplant.
Wer Ola van Sander kennt, weiß, dass er selten stillsteht. Neben den Stadthallen-Vorbereitungen arbeitet er bereits an einem Live-Album der letzten Irland-Tour.
Ob in einem verrauchten Pub in Galway oder auf den großen Bühnen unserer Hansestadt – Bad Penny bleibt authentisch, erdig und voller Emotion. Wer Folkrock sucht, der unter die Haut geht, kommt an diesen Jungs nicht vorbei. Auf die nächsten 30 Jahre!
ANTJE BENDA
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