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Kuba – die Perle der Karibik

Kuba – die Perle der Karibik

Jul 26
Im Moment haben viele das Gefühl, dass die Perle der Karibik nun endgültig dem Abgrund entgegen schlittert. Dabei gab es vor 10 Jahren große Hoffnungen auf der sozialistischen Insel in der Karibik.

Barak Obama saß im Weißen Haus, traf sich mit Raul Castro und besuchte Kuba. Amerikanische Kreuzfahrtschiffe machten in den Häfen fest und die Regierung in Washington lockerte alte politische und wirtschaftliche Dogmen. Und viele Kubaner hatten die Hoffnung, dass sie von der Annäherung mit den USA, dem sich rasant entwickelnden Tourismus und der einsetzenden wirtschaftlichen Liberalisierung profitieren könnten. Die Hoffnungen waren groß und viele Türen schienen sich zu öffnen. Es ging dann tatsächlich so weit, dass die herrschende kommunistische Partei einen in Teilen progressiven Verfassungsentwurf durch die Gremien schickte. Damit wollte man unter anderem den neuen Entwicklungen im wirtschaftlichen Bereich Rechnung tragen. So schossen in dieser Zeit viele private Projekte und genossenschaftlich Initiativen wie Pilze aus dem Boden. Das gab vielen Kubanern auch etwas Hoffnung für eine Zukunft auf der Insel. Mit dem ersten Amtsantritt von Donald Trump hat sich dann vieles verändert und er drehte das Rad zurück auf Konfrontation. Präsident Joe Biden hatte in seiner Amtszeit nicht den Mut, Trumps Sanktionen zurückzunehmen. Nun ist Trump, da seine Politik vielen Amerikanern das Leben erschwert, auf der Suche nach einem Erfolg. Und in seinem Annektionswahn hat er die kleine Insel der bärtigen Revolutionäre ins Visier genommen.
Gerne möchte er diese für sich gewinnen. Dabei sorgen die scharfen Sanktionen der Amerikaner und das Kaltstellen Kubas Verbündeter wie Venezuela für teils dramatische wirtschaftliche und soziale Verhältnisse auf Kuba. Da der Tourismus durch die Sanktionen immer weiter schrumpft bleiben dem kubanischen Staat nur noch wenige Möglichkeiten, Devisen für den Haushalt zu generieren. Da sind eigentlich nur noch die bei Aficionados beliebten Zigarren und der kubanische Rum.
Der Rum aus Kuba ist ein ganz besonderer Saft, sagenumwoben und mythisch verklärt. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde der Rum aus Kuba zum Klassiker an den Bars der Insel. In dieser Periode bis zur Revolution florierte Kuba als Ziel von Touristen, Spielern, Mafiosi und Trinkern, die der Prohibition des großen Nachbarn im Norden zu entkommen versuchten.
In dieser Zeit gab es einige der besten Bars und Barkeeper der Welt auf Kuba. Das trug dazu bei, dass Kuba zur Wiege einiger großartiger Rum-Cocktails wurde. Es war damals noch gar nicht so lange her, dass der Rum auf Kuba überhaupt Einzug hielt und sich einer gewissen Popularität erfreute. Noch im Jahre 1778 exportierte Kuba gerade mal 50.000 Galonen Rum/Aquadiente. Zur Wende vom 19. auf das 20. Jahrhundert waren es schon 3,8 Millionen Gallonen. Der Boom des Rums ist in Kuba untrennbar mit dem Aufblühen der Zuckerproduktion verbunden. Am 1. Januar 1804 erklärten die siegreichen Aufständischen in Haiti ihre Unabhängigkeit von Frankreich. Die Schwarzen und Mulatten hoben die Sklaverei auf und vertrieben die Zuckerbarone. Bis dahin versorgten die haitianischen Großplantagen die Welt mit dem weißen Gold, Zucker. Im Zuge der Unabhängigkeit und der folgenden revolutionären Auseinandersetzungen wurden die Großplantagen enteignet und unter der mittellosen Bevölkerung aufgeteilt. Die Zuckerbarone und Plantagenbesitzer wurden vertrieben und gingen nach Guadeloupe, Martinique und Kuba. Auf der größten Antilleninsel bauten sie mit ihrem Know How basierend auf der Ausbeutung von Sklaven eine florierende Zuckerindustrie auf. Da Rum in den meisten Länder aus Melasse –einem Abfallprodukt der Zuckerherstellung – hergestellt wurde, entstanden im Gefolge des Zuckerbooms bis 1862 125 Destillen, welche Rum produzierten. In den 1860er Jahren geschah dann auch etwas, was den kubanischen Rum zu etwas Besonderen und Unverwechselbaren machte. Unter Mithilfe der spanischen Kolonialverwaltung wurde aus Europa mit dem kontinuierlichen Brennverfahren eine Innovation nach Kuba eingeführt. In den Säulenapparaten konnten größere Mengen Alkohol kontinuierlich und wirtschaftlicher als in einer Pot-Still-Apparatur mit einer höheren Alkoholausbeute hergestellt werden. Diese Zuckerrohr Destillate waren leichter als die aus Jamaika oder Barbados und etwas trockener.
Dieser Style setzte sich dann auf Kuba durch und wurde fortan als spanischer Rum-Style bezeichnet. Einer der Vorreiter, der diesen neuen leichten, milden Rum-Style zu einer gewissen Perfektion brachte, war ein spanischer Einwanderer namens Don Facundo Bacardi. Durch den regen Austausch mit den anderen spanisch sprechenden Territorien in der Karibik und Mittelamerika verbreitete sich diese Idee von Rum auch in anderen Ländern wie Puerto Rico, der Dominikanischen Republik und Nicaragua. Die Prohibition in den USA war ein weiterer Katalysator für den kubanischen Rum. So wurde Havanna zum Weltzentrum der kreativen Barkultur und es entstanden eine Vielzahl von Rum-Marken. Der Ursprung der Marke Havana Club zum Beispiel ist eng mit dem Namen Jose Arechabala verbunden. Der Einwanderer aus dem Baskenland kam 1862 mit 15 Jahren nach Cuba. 16 Jahre später gründete er in Cardenas im Jahre  1878 in Erinnerung an seine baskische Heimat die Rum-Brennerei  „La Vizcaya“ (span. für „die Biskaya“). Hier wurde dann später die 1935 entstandene bekannte Rum-Marke Havana Club hergestellt. Die Nachkommen trugen die Marke ein und begannen noch im selben Jahr mit dem Export in die USA.  Im selben Jahr wurde an der Plaza de la Catedral im Herzen der kubanischen Hauptstadt auch die Havana Club Bar eröffnet. Hier gab sich in der Folge ein internationales Publikum ein Stelldichein und das Geschäft wurde zu einem Aushängeschild der Marke. Dass der Havana Club ein unverzichtbarer Bestandteil des Longdrink-Klassikers Cuba Libre ist, muss bestritten werden, da es, als der Cuba Libre 1898 erfunden wurde, die Marke Havana Club noch gar nicht gab. Aber das ist eine andere Geschichte. Diese erzählen wir das nächste Mal.

Frank Schollenberger

Cuba-Rumprobe am 25.07.2026 im Hafenkontor 57 in Rostock um 19.30 Uhr

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