• K-zur-04
  • Rostock Party- Konzert- & Kultur-Veranstaltungen für den 01.05.2026
  • Rostock Party- Konzert- & Kultur-Veranstaltungen für den 02.05.2026
  • Rostock Party- Konzert- & Kultur-Veranstaltungen für den 03.05.2026
  • Rostock Party- Konzert- & Kultur-Veranstaltungen für den 04.05.2026
  • Rostock Party- Konzert- & Kultur-Veranstaltungen für den 05.05.2026
  • Rostock Party- Konzert- & Kultur-Veranstaltungen für den 06.05.2026
  • Rostock Party- Konzert- & Kultur-Veranstaltungen für den 07.05.2026
  • Rostock Party- Konzert- & Kultur-Veranstaltungen für den 08.05.2026
  • Rostock Party- Konzert- & Kultur-Veranstaltungen für den 09.05.2026
  • Rostock Party- Konzert- & Kultur-Veranstaltungen für den 10.05.2026
  • Rostock Party- Konzert- & Kultur-Veranstaltungen für den 11.05.2026
  • Rostock Party- Konzert- & Kultur-Veranstaltungen für den 12.05.2026
  • Rostock Party- Konzert- & Kultur-Veranstaltungen für den 13.05.2026
  • Rostock Party- Konzert- & Kultur-Veranstaltungen für den 14.05.2026
  • Rostock Party- Konzert- & Kultur-Veranstaltungen für den 15.05.2026
  • Rostock Party- Konzert- & Kultur-Veranstaltungen für den 16.05.2026
  • Rostock Party- Konzert- & Kultur-Veranstaltungen für den 17.05.2026
  • Rostock Party- Konzert- & Kultur-Veranstaltungen für den 18.05.2026
  • Rostock Party- Konzert- & Kultur-Veranstaltungen für den 19.05.2026
  • Rostock Party- Konzert- & Kultur-Veranstaltungen für den 20.05.2026
  • Rostock Party- Konzert- & Kultur-Veranstaltungen für den 21.05.2026
  • Rostock Party- Konzert- & Kultur-Veranstaltungen für den 22.05.2026
  • Rostock Party- Konzert- & Kultur-Veranstaltungen für den 23.05.2026
  • Rostock Party- Konzert- & Kultur-Veranstaltungen für den 24.05.2026
  • Rostock Party- Konzert- & Kultur-Veranstaltungen für den 25.05.2026
  • Rostock Party- Konzert- & Kultur-Veranstaltungen für den 26.05.2026
  • Rostock Party- Konzert- & Kultur-Veranstaltungen für den 27.05.2026
  • Rostock Party- Konzert- & Kultur-Veranstaltungen für den 28.05.2026
  • Rostock Party- Konzert- & Kultur-Veranstaltungen für den 29.05.2026
  • Rostock Party- Konzert- & Kultur-Veranstaltungen für den 30.05.2026
  • Rostock Party- Konzert- & Kultur-Veranstaltungen für den 31.05.2026
  • K-vor-06

Anzeige

Bühne

Gast in der eigenen Show – Oliver Polak im Interview

Gast in der eigenen Show – Oliver Polak im Interview

Mai 26
Oliver Polak, mit dem Grimme-Preis ausgezeichneter Stand-up-Star aus Berlin, erschüttert die etablierten Strukturen mit schamlosem Humor und extravaganter Mode wie Jogginghose und Adiletten. In seiner neuen Bühnenshow „Comedy“ geht der gebürtige Papenburger wieder an die Grenzen des guten Geschmacks. Mit Polak, 49, sprach Olaf Neumann via Zoom über Auftritte in den USA, seine Begegnung mit Woody Allen und Depression.

0381-Magazin: Sie sind dieses Jahr Thomas-Mann-Stipendiat in Los Angeles. In LA treten Sie mit einem Programm voller schonungsloser politischer Unkorrektheit auf. Sie sind erst der zweite Deutsche, der in dem berühmten Comedy Store am Sunset Strip spielen darf.
Oliver Polak: Mein Plan ist, mehr Stand-up-Comedy auf Englisch zu machen, was ich schon vor Jahren in New York getan habe. Ich bin damals in Theatern wie Carolines on Broadway oder The Stand aufgetreten. Das Oberthema vom Thomas Mann-Haus lautet „Across Boundaries". Ich finde, dass Humor über Grenzen hinweg geht und gleichzeitig verbindet. „Verbindet" hört sich immer so doof an, aber meine Erfahrung ist, dass in Berlin im Mad Monkey Room, wo ich immer gerne auftrete, das Publikum sehr gemischt ist. Da sind junge Leute deren Eltern aus Türkei kommen neben Kurden aus dem Iran. Da sind Menschen aus Afghanistan, aus Palästina, aus Amerika und aus Deutschland. Ich mache auf der Bühne sehr viel Crowdwork, also spontane Sachen. Das ist wie ein Spinnennetz, das man mit seinen Gags über den Leuten webt. Das Schöne an einer Comedy-Show ist, dass Menschen, die sich vielleicht draußen bekriegen würden, gemeinsam über sich selbst lachen können und über den Irrsinn in der Welt.  

0381-Magazin: Sie haben den Ruf eines harten und kompromisslosen deutsch-jüdischen Stand-up-Comedians. Zu recht?
Polak: Viele sagen, mein Humor sei hart, aber am Ende ist das, was ich erzähle ein Witz oder die Realität.Von Leuten, die vielleicht Probleme wie Depressionen haben oder psychisch anders sind, heißt es, sie seien krank. Ich weiß gar nicht, ob sie wirklich krank sind. Ich würde sagen, dass Menschen mit psychischen Problemen eher gesund sind, weil wir die Welt tatsächlich spüren, weil wir empathisch sind. Wenn man das, was in der Welt passiert, wirklich fühlt, dann kann man ja nur krank werden. Meine Comedy ist ohne Filter, und da gibt es halt viele Interpretationsmöglichkeiten. 

0381-Magazin: Sie stammen aus dem Emsland. Auf welche Weise hat Ihre Herkunft Sie geprägt?
Polak: Das Emsland ist auch in mir, weil es immer ungefiltert war. Wenn da jemand zu dir sagte: „Ich hau dir gleich auf's Maul!“, dann hat er dir auch gleich aufs Maul gehauen ohne sich zu fragen, was das für Konsequenzen haben könnte. Vor 15 Jahren saß ich mal in Papenburg am Tresen einer Fußballbar, wo gerade Premiere, Sky lief. Jemand sagte zu mir: „Ey, du bist ja der Sohn vom Polak. Dein Vater, der ist doch schon tot". Ich: „Nee, der lebt noch!" Allein das ist lustig. Einfach mal raushauen und nicht nachfragen. Ich liebe es! Im Fernsehen war gerade ein Freistoß von Torsten Frings zu sehen. Der trug ja immer ein Stirnband, weil er längere Haare hatte. Da guckt dieser Kneipen-Typ mich an und sagt: „Du, der Frings, der ist aber auch ein schöner Mann. Stell dir den mal nackt in einer Latzhose vor!" Dann sitzt du da und brauchst gar keine Pointe mehr. Dieses Ungefilterte ist defintiv ein Teil meiner Comedy.  

0381-Magazin: Wir leben ja in sehr merkwürdigen, chaotischen Zeiten. Ist das für den Comedy-Künstler Oliver Polak inspirierend? 
Polak: Ich verstehe die Frage, aber ich bin anders. Als Mensch reagiere ich auf das Außen. Es passiert gerade sehr viel, wie Sie schon angedeutet haben, aber es gibt ja insgesamt über 59 Kriege in der Welt. Das wird oft vergessen, weil man sich gerne auf ein oder zwei Sachen einschießt. Genau da reagiere ich drauf. Durch TikTok oder Instagram hat man das Gefühl, dass alles viel irrer geworden und viel schneller an einem dran ist. Es ist auch viel zu viel. Aber es sind manchmal nur die kleinen Dinge. Ich gehe jedenfalls nie durch die Welt und denke: „Oh, wo finde ich denn jetzt Material für meine Comedy?“ So funktioniere ich nicht. Denn man ist doch von allem permanent umgeben.

0381-Magazin: Schon vor Jahren haben Sie ein Buch über Ihre Depressionen geschrieben. Wie geht es Ihnen heute?
Polak: Ich befinde mich grade in einer Phase wo der Tag mein grösster Feind ist, und abends, wenn ich die Bühne betrete, ist alles in Ordnung, weil die Leute lachen. Ich denke dann: „Oh, habe ich die jetzt um Lachen gebracht?“ Ich realisiere manchmal gar nicht, dass ich der Komiker bin und fühle mich als Gast in meiner eigenen Show.  

0381-Magazin: „Ein Abend mit Oliver Polak ist wie ein Flugzeugabsturz in Zeitlupe – nur dass dabei alle lachen.“ Wann hat Robin Williams, der ja auch an Depressionen litt, das über Sie gesagt? 
Polak: Das war bei meinem allerersten Auftritt auf Englisch im Herbst 2013 im Nuyorican Poets Cafe an der Lower East Side. Das ist kein Polak-, sondern ein Slam Poetry-Club. Ich hatte im Netz nachgeguckt, wo es in New York offene Bühnen gibt. Und da kommen die krassesten Leute hin. Ich habe selber nicht mit Robin Williams gesprochen, aber er saß im Publikum, und ich war einer der wenigen Comedians, die dort aufgetreten sind. Und dann haben sich viele Zuschauer über mich aufgeregt, weil das schon auch krasser Humor war. Ich hörte, dass die Leute über mich redeten, und im Vorbeigehen sagte Robin Williams: „An evening with this guy is like a plane crash in slow motion, but where people are laughing.“ 

0381-Magazin: In Ihrem neuen Programm „Comedy“ fragen Sie sich, wie man seinen Hund beerdigt und danach seine Tante. Gemeint sind Ihr Schnauzerterriermix Arthur und Ihre Tante Ilse aus New York. Haben Sie für beide Verstorbene Trauerreden gehalten?
Polak: Beim Judentum ist es so, dass jemand am Grab reden soll, der die verstorbene Person gut kannte. Da hab’ ich ein paar Lacher gehabt, weil ich natürlich auch lustige Geschichten über meine Tante erzählte. Bei der Beerdigung von meinem Hund Arthur habe ich auch über ihn gesprochen, über seine Wesenszüge. Meine Ex-Freundin, der der Hund vorher gehörte, war unter den Trauergästen und hat ebenfalls etwas erzählt. In den letzten Jahren habe ich auch einen Film über meine Tante und mich gedreht. „Ilse und Ich“, die Aufnahmen liegen hier noch rum. Ich habe gerade keine Zeit, den Film fertigzustellen. 

0381-Magazin: Wollen Sie das Projekt noch angehen?
Polak: Das steht auf jeden Fall noch auf meiner Bucketlist. Ich kenne einen Cutter, den ich sehr gut finde. Vielleicht bringe ich ihn bei YouTube raus. Es ist aber ein sehr simpler Film. Ich habe das Handy immer auf Selfie-Mode gestellt, wenn wir zusammen an einem Tisch saßen, etwas gegessen oder getrunken und uns einfach nur unterhalten haben. Ich habe gefilmt, wie ich mit Ilse ins Casino gefahren bin oder an den Ort, wo sie einst mit dem Schiff aus Europa ankam. Wir sind auch mal zu Katz's Delicatessen gegangen, wo ich dann auch gefilmt habe.  

0381-Magazin: Sie sind auch schon in der legendären Laugh Factory in Los Angeles aufgetreten. Wie war das?
Polak: In der ersten Reihe saß tatsächlich Paula Abdul. Ich bin vor Nervosität fast zusammengebrochen. Und dann hatte ich noch ein nettes Erlebnis in L.A., weil mein neuer Hund so ein emotional support animal ist. Sie wissen ja, warum der Stanley heißt, oder? 

0381-Magazin: Wegen Paul Stanley von Kiss, oder?
Polak: Genau, der ist ja auch immer schwarz-weiß geschminkt. Louis CK hat eine Tryout Show gespielt im Comedy Store in Los Angeles. Da war ein Typ, von dem ich dachte, den kennst du doch irgendwo her. Aber dann war er verschwunden. Nach der Show kam ich aus den Toiletten raus, und da steht dieser zwei Meter große Typ plötzlich vor mir und guckt mich an. Er meinte: „Oh, I love your dog! Can I pet your dog. Oh it's so weird!" Und dann hab' ich ein bisschen was erzählt, und er stellte mir viele Fragen. Es war tatsächlich Josh Homme von der Band Queens of the Stone Age.

0381-Magazin: Gene Simmons von Kiss, die berühmteste Zunge des Hardrock, haben Sie sogar mal interviewt. Er will mit 4000 Frauen geschlafen haben. Der Mann hat Humor, oder? 
Polak: Ehrlich gesagt kann ich mir das bei ihm auch vorstellen. Gene Simmons hat aber definitiv Humor. Als wir uns das erste Mal vorgestellt wurden, haben wir uns schon Witze erzählt. Da sagte er: „Oliver, what is 12 inch long and Jewish?" Ich: „Keine Ahnung". Er: „Nothing!“  

0381-Magazin: Für die Wochenzeitung Die Zeit haben Sie voriges Jahr auch Woody Allen interviewt. Wie haben Sie den Regisseur erlebt?
Polak: Er war sehr zurückhaltend, sehr höflich, sehr freundlich. Allen erinnerte mich vom Alter her an meinen Vater und an meine Tante. Wir saßen uns gegenüber, und mir ist sofort aufgefallen, dass er nicht so abgedroschen war. Er war auch an mir interessiert und stellte Rückfragen. Als ich mich zum Beispiel nach dem ersten Witz erkundigte, den er jemals auf einer Bühne gemacht hat, guckte er mich an und sagte: „What was your first joke?“ Ich habe ihm auch vom Tod meines Hundes erzählt, und später beim Fotoshooting fragte Allen mich: „Wirst du dir einen neuen Hund holen?“ Es war, als würde ich einen alten Verwandten treffen. Vielleicht lag es ja daran, dass ich nicht wie ein klassischer investigativer Journalist bin. Ich hatte das Interview mit Woody Allen nicht geführt, weil ich irgendwelchen Vorwürfen nachgehen wollte. Ich wollte mich einfach nur mit ihm unterhalten.  

0381-Magazin: Seit 1992 steht Allen unter Missbrauchsverdacht, ohne Beweise und ohne Prozess. Wie geht er damit um?
Polak: Das kann ich nicht sagen. Das ist ja nur ein Ausschnitt gewesen. Ich denke schon, dass ihn das nicht erfreut und gleichzeitig steht er drüber und macht so sein Ding. 

0381-Magazin:  Muss Kunst immer losgelöst von dem Künstler bzw. der Künstlerin betrachtet werden oder sollten das Leben einer kunstschaffenden Person Einfluss darauf haben, wie ein Werk bewertet wird?
Polak: Das lässt sich nicht verallgemeinern. Wenn ich ein Bild schön finde, aber weiß, der Maler hat Katzenbabies getötet- wahrscheinlich würde ich es mir von der Energie her nicht in mein Zimmer hängen. Aber gleichzeitig kann ich noch die Schönheit des Bildes erkennen. Bei einem Comedian, der nur menschenverachtende Scheiße erzählen würde, wäre es ähnlich. Es kann aber auch sein, dass man den irgendwann wieder trifft und er eigentlich ganz nett ist. Das ist ja genau das Leben. Wir wollen gerne alles schubladisieren, aber es ist nicht so einfach. Es sei denn, man nimmt es einfach so, wie es kommt und entscheidet im Moment, wie man damit umgeht. 

0381-Magazin: Unterscheiden sich Künstler von anderen Menschen hinsichtlich ihrer Sensibilität oder ihrer Herangehensweise an Probleme?
Polak: Ich glaube schon, dass Künstler grundsätzlich offen sind und die Welt intensiver und anders spüren. Bei mir persönlich hat das etwas mit der Veranlagung zur Depression zu tun. Ich fühle manchmal einfach zu viel, das ist mein Problem. Es ist schwer auszuhalten, wenn man zu viel fühlt, wenn sich das nie abschaltet. Ich habe auch eine Form von ADHS, weigere mich aber, Medikamente zu nehmen. Dann ist es super anstrengend. Aber man versucht Ausgleiche zu finden, was mir ehrlich gesagt oft nicht gelingt.  

0381-Magazin: In welchen Momenten gelingt es Ihnen? 
Polak: Ich wüsste gerade nicht, wo es mir gelingt. Ruhe ist bei mir wirklich nur, wenn ich auf die Bühne gehe und Stand-up mache.

21.05.2026 · 20.00 Uhr · MAU Club

Schreibe Deine Meinung zu „Gast in der eigenen Show – Oliver Polak im Interview”