Bühne
It’s okay to get lost.
Apr 26
The Black Rider (The Casting of the Magic Bullets) – ab 11. April im Volkstheater
Was ist das für ein Abend?
Man nehme eine Portion True Crime, dazu ein wenig schillernden Jahrmarkt und eine Prise deutscher Sagenwelt, hülle alles in überbordende, durchgeknallte Prunkkostüme und drücke am Ende jedem noch ein Gewehr in die Hand. Tada, heraus kommt „The Black Rider (The Casting of the Magic Bullets)“. Und als wäre das nicht schon kühn genug, nennt Tom Waits das Ganze auch noch eine „musical fable“, also eine Musical-Fabel. So oder so ähnlich ließe sich beschreiben, was das Volkstheater Rostock ab dem 11. April unter der Regie von Daniel Pfluger zur Premiere bringt.
Worum geht’s?
Ein junger Mann will heiraten und das am besten jetzt. Wilhelm ist ein Schreiber, versteht sich auf Worte und die Liebe, und doch verliebt er sich in Käthchen, die Tochter eines traditionellen Jägers. Und was wäre die Geschichte ohne Eltern, die dem Ganzen einen Strich durch die Rechnung machen? Genau: langweilig. Der Vater lässt die Ehe nur zu, wenn Wilhelm beweist, dass er ein guter Schütze ist. Wilhelm kann nicht schießen. Und genau da tritt Stelzfuß auf, halb Conférencier, halb Teufel, ganz Verführer. Er besorgt magische Kugeln, die immer treffen. Sechs davon gehören Wilhelm. Die siebte nicht.
Warum ausgerechnet diese drei?
Dieses Musical ist das Ergebnis eines Trios, das auf dem Papier gar nicht zusammengeht und vielleicht genau deshalb so gut passt.
Robert Wilson, der Regisseur der großen Bilder und präzisen Tableaus. Man sagte ihm nach, dass er so kleinteilig arbeitete, dass er sogar die Ausleuchtung der Ohren seiner Spieler:innen millimetergenau abmaß. Tom Waits, der Musiker, dessen Songs nach Kneipe und Rost klingen können. Und William S. Burroughs, Beat-Legende und literarischer Störenfried, der hier den Text liefert. Dabei nicht ganz ohne Background-Geschichte: Am 6. September 1951 erschoss Burroughs in Mexiko-Stadt seine Ehefrau Joan Vollmer bei einer Party. Er sagte später, es sei ein missglückter „William Tell“-Trick gewesen. Er habe versucht, ein Glas von ihrem Kopf zu schießen. Die Kugel traf sie in die Stirn, sie starb kurz darauf.
Drei amerikanische Kultnamen und trotzdem fand die Premiere nicht in New York statt, sondern 1990 im Thalia Theater Hamburg. Erst Hamburg, dann die ganze Welt, jetzt Rostock.
Wenn Du das magst, magst Du auch …
True Crime als Musicalabend,
Tim-Burton-Ästhetik,
düstere Jahrmarkt- und Cabaret-Welten,
amerikanische Kult-Musicals,
Tom-Waits-Sound, Kneipenballaden und
schrägen Blues,
Faust- und Teufelspakt-Geschichten,
schwarzen Humor mit Gänsehaut-Effekt,
Beat-Literatur-Vibes, Burroughs und
Außenseiterpoesie.
Premiere „The Black Rider
(The Casting of the Magic Bullets)“
11.04.2026 · 19:30 Uhr · Großes Haus
Bild: Düstere Märchenwelt: Entwürfe zu Bühnenbild und Figurinen aus “The Black Rider” von Katarina Ravlic. (Grafik: Katarina Ravlic, Lynn Demmin)
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