Bühne
Eine Erbschlacht in Venedig
Feb 26
Ben Jonsons Komödie „Volpone oder Der Fuchs“ feiert Premiere am Volkstheater Rostock.
Er ist gerissen. Er ist gierig. Er ist ein Fuchs. Ja, Volpone (Hagen Ritschel) versteht sich darauf, die Menschen um ihn herum nach seiner Pfeife tanzen zu lassen. Doch dann wird er plötzlich todkrank. Prompt erscheinen die Erbanwärter:innen in Scharen und bringen die kostbarsten Geschenke mit, um die Gunst des wohlhabenden Kaufmanns zu gewinnen. Was sie nicht wissen: Volpone geht es blendend. Geschickt gaukelt er sein nahes Ableben vor, während im Hintergrund der Diener Mosca (Katharina Paul) dafür sorgt, dass sich die Erbschleicher:innen gegenseitig übertrumpfen. Ein perfides Netz aus Lügen beginnt sich zu verselbstständigen, bis sich der schlaue Fuchs schließlich selbst in dessen Fäden gefangen sieht …
„In dem Stück geht es um Missstände, die es aufzudecken gilt“, erzählt Regisseurin Jule Kracht. Schnell war für sie klar, dass sie die teils derbe Komödie von Ben Jonson inszenieren möchte. „Es wird nichts beschönigt, die Figuren bieten nicht zwingend Identifikationsmöglichkeiten und von Anfang an ist klar, wer die Bösen sind. Das ist sehr besonders.“ Obendrein erkennt sie in „Volpone“ die Weltlage von heute. „Bei Jonson gibt es Täter und Opfer, wobei die Habgierigen sich gegenseitig zerfleischen. Und auch jetzt gucken wir einfach nur diesen Wahnsinnigen zu, wie sie hoffentlich über ihre eigenen Beine stolpern. Es ist bewundernswert, dass es zu Zeiten von Shakespeare schon jemanden gab, der es von Anfang an so direkt benannt hat.“
In ihrer Inszenierung am Volkstheater setzt die Regisseurin unter anderem auf die Metaphorik von Tieren. „Alle Figuren haben Tiernamen. Wir haben uns immer gefragt: Was wäre das Tier, wenn es ein Mensch wäre? So sind zum Beispiel all die gierigen Herren Aasfresser.“ Hierfür werden venezianische Masken verwendet, die mit der alten „Commedia dell’arte“ spielen. Und auch auf der Bühne wird mithilfe von Gondeln und barocken Verzierungen an die Stadt Venedig erinnert.
Trotz des bunten Bühnenbilds (Nora Lau) und der humorvollen Elemente beginnt der Schein einer klassischen Komödie schnell zu bröckeln. Denn für Jule Kracht steht fest: Volpone ist eine Groteske, eine überzogene Beziehung der Gesellschaft und eine Aufforderung, sich den unausweichlichen Entscheidungen des Lebens zu stellen. Mit Hinblick auf die Premiere am 7. Februar erzählt sie: „Ich wünsche mir, dass man nach der Vorstellung die jetzige Welt vor Augen hat und zum Nachdenken angeregt wird. Und ich glaube diese Kraft hat das Theaterstück auch.“
Matinee
01.02.2026 · 11.00 Uhr · TheaterBar
Premiere „Volpone oder Der Fuchs“
07.02.2026 · 19.30 Uhr · Großes Haus
Bild: Venezianisches Flair und raffinierte Intrigen: Regisseurin Jule Kracht (l.) und Ausstatterin Nora Lau bringen Ben Jonsons bissige Komödie „Volpone oder Der Fuchs“ auf die Bühne.
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