Bühne
Don Giovanni – von Liebe, Lust und Geistern
Jan 26
Die Mozart-Oper feiert im Januar Premiere im Volkstheater Rostock.
Frauenheld, Lügner, Suchender – das alles ist Don Giovanni, die Hauptfigur in Wolfgang Amadeus Mozarts abgründiger Oper. Im Januar kommt die Inszenierung von Hausregisseur Daniel Pfluger auf die Bühne des Volkstheaters – im Zeitgeist von „La dolce Vita“: Leichtigkeit, Genuss, süßes Leben. Eine 200 Jahre alte Oper mit Vespa und Sonnenbrillen auf der Bühne.
„Nicht so ernst, nicht so trist – so werden die Kostüme“, erklärt Daniel Pfluger. Und doch sei das Stück eine Tragikomödie. Der Wüstling Don Giovanni (Grzegorz Sobczak) werde in der Zerrissenheit der von Mozart erschaffenen Figur gezeigt. Eine Person, die offenbar vieles in sich trage, was den großen Komponisten zeitlebens selbst ausmachte. Ein maßloser Mann, der wie im Rausch viele hundert Frauen verführt haben soll. Immer wieder könnte einem bei dieser Oper das Lachen im Halse stecken bleiben. Lustiges kippe in Ernsthaftes. Etwa als Don Giovannis Diener Leporello (Jaehwan Shim) singt, wie viele Frauen sein Herr verführte. „Ich freue mich riesig auf die Rolle“, sagt Grzegorz Sobczak. Einen solchen Klassiker wolle sicher jeder Bariton einmal mit Leben erfüllen. Komponist Mozart habe in der Figur „viele Schichten versteckt“, die gezeigt werden sollten. „Das wird mein erster Don Giovanni und hoffentlich nicht der letzte“, so Sobczak.
„Die Frage ist, wie nähert man sich dieser Hauptfigur? Wie erklärt man sie?“, umschreibt Pfluger seine Arbeit. Heute würde man wohl sagen: „Typisch Mann.“ Man könnte auch versuchen, Don Giovanni anders zu deuten: „Als absoluter libertärer Freigeist in einer engstirnigen, hochreligiösen und moralischen Welt“, so der Regisseur. „Irgendwo dazwischen steckt er.“ Er sehe einen leeren, unglücklichen, suchenden Charakter, der nur für Momente das Glück anderer spiegle, Liebe und Begierde immer wieder nur kurzfristig finde. „Danach ist die Droge vergangen und er muss sofort die Nächste suchen. Eigentlich ist Don Giovanni wie ein Junkie.“
Die Handlung der Oper: Don Giovanni versucht, Donna Anna (Aurora Marthens) gegen ihren Willen herumzukriegen. Als deren Vater, der Komtur (Lucia Lucas), auftaucht, tötet er diesen. In der Folge wird der Mörder vom Geist des Komturs heimgesucht; bis Don Giovanni schließlich von der Hölle verschluckt wird. Davor aber begehrt der Lebemann andere Frauen.
Da ist Donna Elvira (Kirsten Scott), der er die Ehe versprach, dann aber verschwand. Da ist Zerlina (Agostina Migoni), die Braut eines anderen. „Keine der Figuren ist heilig, rein, von Konflikten frei“, erklärt Daniel Pfluger. Der Regisseur lässt auch drei Nornen erscheinen, Schicksalsgöttinnen, der nordischen Mythologie entlehnt. Botschaft: Niemand kann dem Schicksal entgehen. Schließlich verschwindet der Geist des ermordeten Komturs auch erst, als Don Giovanni selbst dahinscheidet.
Premiere „Don Giovanni“
17.01.2026 · 19.30 Uhr · Großes Haus
Bild: Drama auf der Bühne: Grzegorz Sobczak (Don Giovanni), Kirsten Scott (Donna Elvira) und Lucia Lucas (Komtur).
/*