RONNY GERNHART
RONNY GERNHART BEI DER WM 2026 – KAPITEL 3: Plötzlich Finale
Jun 26
Letzter Spieltag in der Gruppe und die Reise geht zurück nach New York, wo das letzte Spiel gegen Ecuador ansteht. Jetzt muss ein Sieg her! Aktuell sind wir Tabellenletzter und brauchen diesen Sieg dringend.
In New York angekommen gibt es auch ein Wiedersehen mit meinen zwei Künstlern. Die Freude ist auf beiden Seiten groß. Generell fühlt es sich gut an, in New York zu sein – fast wie zu Hause. Vielleicht liegt es auch daran, dass an Ampeln und Laternen überall Hansa-Sticker kleben. Die zwei Künstler hatten bei der Einreise ihre Weekender voll mit Hansa-Stickern gepackt und haben scheinbar New York flächendeckend damit überzogen. Respekt!
Nach einer kurzen Sightseeing-Tour ging es platt ins Bett und am kommenden Tag ins Stadion nach New Jersey.
Anpfiff. Wie so oft in der Vergangenheit plätschert das Spiel vor sich hin. Auch das Karo-Glückshemd von Nagelsmann beschert uns bis jetzt kein Tor, obwohl wir haushoch überlegen sind und Woltemessi schon drei Mal Aluminium getroffen hat. Die Zeit läuft uns davon. Nagelsmann rennt wild gestikulierend an der Seitenlinie auf und ab, die Energie ist auf dem Platz spürbar.
Anders als auf der Reservebank: Dort daddelt Undav mit dem Handy rum. In der 85. Minute erspielen sich die Jungs eine gute Möglichkeit. Flanke Wirtz, Flugkopfball Woltemessi … an den Pfosten. Was für ein Pech. Nagelsmann ist außer sich und blickt fragend Richtung Spielerbank und Publikum.
Plötzlich rennt Nagelsmann zum Publikum und bekommt von einer kleinen schwarzhaarigen Frau einen Zettel zugeworfen. Nagelsmann fängt lässig wie ein Yankees-Spieler den zusammengeknüllten Zettel und liest ihn. Er rennt zur Bank und gibt Undav das Signal zum Einwechseln. Lässig steht Undav auf und macht sich an der Seitenlinie bereit.
Die 89. Minute läuft und Deutschland ist immer noch Tabellenletzter. Wir brauchen jetzt ein Tor. Im Fanblock brüllen die Leute neben uns lautstark: „Undav, Undav, Undav!“
Ganser ist komplett fertig und die Pumpe läuft. „Vier Lattentreffer – was machen die denn im Training?“ Er blättert in seinem Notizbuch und hält Schlotte und mir wieder irgendwelche selbst gemalten Taktikzüge vor die Augen und tippt mit dem Finger auf das Papier. „Und dann über die Außen …“ höre ich noch.
90. Minute – Undav kommt, Woltemessi geht, und Freistoß für uns. Schlottis Neffe schnappt sich den Ball, der Schiri gibt den Ball frei. Der Ball fliegt gut, Undav springt zum Kopfball hoch, dreht sich dabei wie beim Eiskunstlauf und haut ihn in den Winkel! Tor! Tor für Deutschland in der 91. Minute.
Die Spieler liegen sich in den Armen – wir auch. Mein Fischerhut fliegt durch den Fanblock, Schlotti ist verständlicherweise voller Adrenalin und Stolz. „Siehst du, das hat er alles bei mir in der Fußballschule gelernt, der Nico …“
Wir klatschen ab und ich bemerke, wie Ganser unter all den jubelnden Fans in seinem Notizbuch den Spielzug noch einmal nachzeichnet. Achtelfinale, wir kommen – oder um es in den Worten von Lothar Matthäus zu sagen: Jetzt werden die Würfel neu gemischt.
Später auf Magenta TV bedankt sich Nagelsmann, im Gespräch mit meiner Schafkopftruppe, bei seiner Frau für den Zettelwurf. „Man sollte öfter auf seine Frau hören“ lächelt er in die Kamera. Ich schicke nebenbei Gabi ein WhatsApp Herz auf ihr Handy …
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