Min Warnemünn
100 Jahre Warnemünder Woche
Jul 26
Das Heimatmuseum Warnemünde widmet sich ab Juli in einer Sonderausstellung dem 100-jährigen Bestehen der Warnemünder Woche. Die Schau zeichnet die Entwicklung einer der traditionsreichsten Segelveranstaltungen an der deutschen Ostseeküste nach und verbindet dabei sportgeschichtliche Aspekte mit den politischen und gesellschaftlichen Umbrüchen des 20. Jahrhunderts.
Der Ursprung der Warnemünder Woche liegt im Jahr 1925. Damals gründeten 24 segelbegeisterte Warnemünder unter Vorsitz von Postamtmann Julius Schroeder den Warnemünder Segel-Club. Bereits ein Jahr später organisierten die Mitglieder gemeinsam mit weiteren Vereinen die erste Warnemünder Woche - mit 47 Teilnehmern - die danach jährlich stattfindet.Schon früh entwickelte sich die Regatta zu einem beachteten Ereignis, das überregional Aufmerksamkeit fand und Warnemünde als Segelstandort nachhaltig prägte. 1939 findet die Warnemünder Woche zum vorerst letzten Mal statt. Die Mecklenburger Bucht wird vermint.
Die Ausstellung nimmt auch die Zäsuren der Geschichte in den Blick. Mit dem Zweiten Weltkrieg kam der Segelsport in Rostock und Warnemünde vollständig zum Erliegen. In der Nachkriegszeit standen zunächst alltägliche Herausforderungen im Vordergrund, hinzu kamen weitreichende Einschränkungen durch die sowjetische Militäradministration. Der Bootsverkehr wurde streng reglementiert, teilweise auf dem Alten Strom sogar untersagt. Segel- und Motorboote mussten registriert und als Reparationsleistungen abgegeben werden. Erst ab 1947 kam wieder Bewegung in den Segelsport, als erste Boote erneut auf der Warnow und dem Alten Strom zu sehen waren.
Auch die Wiederbelebung des organisierten Segelbetriebs verlief schrittweise. Ehemalige Mitglieder des Warnemünder Segel-Clubs fanden sich wieder zusammen, der Sport organisierte sich später in der Sektion Segeln der Betriebssportgemeinschaft Motor Warnowwerft Warnemünde. Eine zentrale Rolle spielte dabei Kapitän und WSC-Urgestein Paul Lass, der 1951 als Regattaleiter die ersten Nachkriegswettkämpfe vor Warnemünde verantwortete. Diese wurden jedoch nicht mehr unter dem Namen Warnemünder Woche ausgetragen, sondern zunächst als Ostseewoche und später als Internationale Ostseeregatta (IOR) bezeichnet.
Ein weiterer Teil der Ausstellung ordnet den Begriff „Ostseewoche“ historisch ein. Anders als häufig angenommen, stammt die Bezeichnung nicht erst aus der DDR-Zeit. Bereits 1931 wurde sie im Rahmen des von der Nordischen Gesellschaft Lübeck ausgerufenen Ostseejahres verwendet – allerdings ohne Bezug zu Segelwettbewerben in Warnemünde. Sie wurde mit einer mehrtägigen Rundfahrt des Luftschiffes LZ 127 „Graf Zeppelin" eröffnet. Höhepunkt in Rostock war die vom 5.-7. September von der Deutschen Dahlien-Gesellschaft im Zoo im Barnstorfer Wald veranstaltete Dahlienschau. Vielmehr handelte es sich um eine umfassende Veranstaltungsreihe mit unterschiedlichen kulturellen Höhepunkten.
Die Ausstellung beleuchtet zudem die besonderen Rahmenbedingungen des Segelsports in der DDR-Zeit. Nach dem Bau der Berliner Mauer 1961 und der vollständigen Grenzschließung galten im Küstengebiet der DDR strenge Regelungen. Das Seegebiet innerhalb der Drei-Meilen-Zone war in feste Fahrbereiche unterteilt, unter anderem für die Regionen Wismar, Warnemünde und Rügen. Die Teilnahme an Regatten war nur mit entsprechenden Genehmigungen möglich, darunter das sogenannte Dokument PM 18 beziehungsweise PM 19 des Ministeriums des Innern. Diese Einschränkungen wirkten sich auch auf bekannte Seeregatten aus, die teilweise nur eingeschränkt oder in veränderter Form stattfinden konnten.
Trotz dieser historischen Brüche entwickelte sich die Warnemünder Woche nach der deutschen Wiedervereinigung 1991 wieder zu einer internationalen Segelregatta mit großer Strahlkraft. Bis heute wurde sie 87-mal ausgetragen – ein Umstand, der die Unterbrechungen durch Krieg und politische Systeme deutlich widerspiegelt.
Wie Christoph Wegner vom Heimatmuseum Warnemünde erläutert, können Wettbewerbsteilnehmer der Warnemünder Woche die Ausstellung kostenfrei besichtigen. Damit soll der enge Bezug zwischen sportlicher Tradition, regionaler Geschichte und der Entwicklung des Segelsports in Warnemünde unmittelbar erfahrbar werden.
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