„Die Legende von Paul und Paula“ erzählt von einer Liebe, die alles riskiert – im Oktober kommt die Geschichte auf die Volkstheater-Bühne
Als „Die Legende von Paul und Paula“ 1973 in den DDR-Kinos startete, rechnete wohl niemand damit, dass der Film zu einem der größten Publikumserfolge der DEFA werden würde. Nun kommt Heiner Carows Kultfilm nach der Erzählung von Ulrich Plenzdorf ins Große Haus – mit Katrin Heller als Paula und Frank Buchwald als Paul.
Beide Darsteller:innen sind in Ost-Berlin aufgewachsen und kennen den Film seit ihrer Kindheit. „Ich war fasziniert, einerseits. Aber ich habe es auch nicht so richtig verstanden“, erinnert sich Katrin Heller. Erst später erschlossen sich die politischen Zwischentöne und die besondere Bedeutung des Films. Was geblieben ist, ist die Faszination für Paula: „Fleißig und trotzdem abenteuerlich und hungrig aufs Leben.“
Auch konkrete Bilder und Details sind der Schauspielerin im Gedächtnis geblieben: „Szenen, Motive, Drehorte, alles. Wie sie da arbeitet an der Flaschenannahme, die Kittelschürzen, diese bestimmte Art, wie sie reden … Das ist ganz viel, was mich glücklich macht, wenn ich das sehe.“
Doch „Die Legende von Paul und Paula“ ist viel mehr als eine nostalgische Erinnerung an die DDR. Für Frank Buchwald ist der Film vor allem auch deshalb bemerkenswert, weil er für seine Zeit viel wagte: „Ich glaube, der ging schon sehr an die Grenze von dem, was man zeigen durfte. Die Realität zu zeigen. Die Probleme. Es war immer sehr schwierig in der DDR, Probleme zu zeigen, weil offiziell hatten wir ja keine Probleme. Deswegen war der Film dann doch schon sehr mutig.“
Im Mittelpunkt stehen zwei Menschen mit sehr unterschiedlichen Lebensentwürfen.Was beide verbindet: Sie sind in ihrem Leben nicht zufrieden und wollen sich nicht damit abfinden, dass alles so bleiben soll, wie es ist. Während Paul lange zögert, folgt Paula ihrem Lebenshunger und ihrer Sehnsucht nach Liebe und setzt dabei alles aufs Spiel.
Für Katrin Heller bedeutet die Annäherung an Paula vor allem, ihre inneren Beweggründe zu verstehen: „Was treibt die Figur an? Was für eine Sehnsucht hat sie? Wo will sie hin? Was sagt ihr Herz?“ An Paula mag sie „ihre Echtheit, ihre Ehrlichkeit und dass Paula Paul wirklich von Herzen liebt“.
Frank Buchwald fällt die Antwort auf die Frage, was er an Paul mag, schwerer, „weil auch als Filmfigur, der mir nicht sehr sympathisch ist.“ Er braucht lange um sich aus seiner festgefahrenen Welt zu lösen. Erst am Ende bricht er aus und stellt Parteitreue und Karriere in Frage. „Sie hatte recht, kommt ja sehr spät. Bis dahin geht er stur seinen Weg.“
Die Inszenierung von Hausregisseur Daniel Pfluger stellt den Film nicht nach, sondern richtet den Blick auf zeitlose Themen: Sehnsucht, Selbstverwirklichung, gesellschaftliche Erwartungen und die Suche nach dem eigenen Weg. Denn im Zentrum steht nicht nur die Liebesgeschichte, sondern die Frage, wie viel Menschen bereit sind für ihr persönliches Glück zu riskieren. „Und es ist so gut erzählt und so klug, dass mich das immer noch in den Bann zieht“, verrät Buchwald.
Matinee, 18. Oktober, 11:00 Uhr, TheaterBar, Eintritt frei
Premiere „Die Legende von Paul und Paula“, 23. Oktober, 19:30 Uhr, Großes Haus