35 Jahre Hanse Sail – und das größte maritime Fest Mecklenburg-Vorpommerns bleibt in Bewegung. Rund 120 Schiffe, neue Veranstaltungsorte und frische Ideen treffen auf die enge Verbundenheit mit den Traditionsseglern. Doch wie gelingt der Spagat zwischen Bewahren und Weiterentwickeln? Und welche Orte lohnen abseits der Kaikanten? Darüber sprachen wir mit Hanse-Sail-Chefin Bettina Fust – für die das Fest vor allem eines ist: ein Fest der Begegnungen.
0381-MAGAZIN: Die Hanse Sail feiert in diesem Jahr ihre 35. Ausgabe. Wie hat sich das maritime Großereignis in den vergangenen Jahren verändert und wohin soll sich die Veranstaltung in Zukunft entwickeln?
Hanse Sail, Bettina Fust:
Die Hanse Sail verändert sich, ohne dabei ihren Kern zu verlieren. Im Mittelpunkt stehen seit 35 Jahren die Traditionsschiffe. Sie sind das Herz der Veranstaltung. Doch jede Generation bringt neue Ideen ein und dadurch entwickeln wir das Fest immer auch mit Blick auf den Zeitgeist.
Mit Projekten wie Sail4Kids oder Baltic FriendShip zeigen wir schon heute, dass die Hanse Sail weit mehr ist als ein maritimes Volksfest. Sie übernimmt gesellschaftliche Verantwortungund verbindet Menschen über Grenzen hinweg.
Genau diesen Weg wollen wir weitergehen. Unser Ziel ist es, die Hanse Sail noch stärker zu einem Ort zu machen, an dem Menschen den Alltag für ein paar Stunden hinter sich lassen können – den sie mit Freude, Leichtigkeit und unvergesslichen Erlebnissen verknüpfen. Die Hanse Sail soll ein Fest der Begegnungen bleiben – weltoffen, lebendig und zugleich fest verwurzelt in ihrer Tradition.
0381-MAGAZIN: Mit wie vielen Schiffen rechnen Sie 2026 und auf welche Traditionssegler oder Gastschiffe dürfen sich die Besucherinnen und Besucher ganz besonders freuen?
Hanse Sail, Bettina Fust:
Wir rechnen mit rund 120 Schiffen. Besonders freuen wir uns auf die Rückkehr der Pascual Flores; also jenes Schiff, das 2024 das erste Mal zur Hanse Sail nach Rostock kam und leider mit einem Motorschaden angelegt hat. Den Schaden haben wir in einer beispiellosen Gemeinschaftsaktion beheben können. Das ist eine dieser besonderen Geschichten, die im Rahmen der Hanse Sail geschrieben werden.
Und ganz besonders stehen sechs Schiffe in diesem Jahr im Vordergrund, die in den 35 Jahren Hanse Sail mindestens 30 Mal dabei waren. Wir schätzen es sehr, dass diese Schiffe uns und der Stadt so lange treu sind. Das sind die Albert Johannes, die Loth Lorien, Stettin, Nobile, Swaensborgh, Regina Maris.
0381-MAGAZIN: Wo können auch "Landratten" die besondere Atmosphäre der Hanse Sail erleben – welche Orte, Angebote oder Programmpunkte empfehlen Sie abseits der klassischen Schiffsbesichtigungen? (Stichwort: Klostergarten, Innenstadt..)
Hanse Sail, Bettina Fust:
Ein Besuch an Bord eines Teilnehmerschiffs vermittelt natürlich am eindrücklichsten den Reiz der maritimen Kulturgüter. Aber auch an Land ist für jeden etwas dabei.
Wir beziehen die Innenstadt in diesem Jahr wieder mit ein und bieten ein abwechslungsreiches Programm. Ob die TOGGO Tour auf dem Neuen Markt, Regionale Meile rund um den Universitätsplatz, der Kreativ- und Designmarkt Moby Dick am Kröpeliner Tor oder das Kulturhistorische Museum: Da profitieren auch alle „Landratten“ von der Hanse Sail. Erstmals präsentieren wir auch Konzerte im Klostergarten – für alle, die Live-Musik auch abseits der vollen Meilen erleben wollen.
Von Freitag bis Sonntag öffnet der Marinestützpunkt Hohe Düne seine Pforten. Es ist jedes Jahr wieder beeindruckend, wie aufwendig und ansprechend sich die Marine präsentiert.
Der Stadthafen bietet von der ehemaligen Neptunwerft bis zur Silohalbinsel neben den vielen Fahrgeschäften und Bühnen auch wieder die Science@Sail. Die Universität hat wieder ein fantastisches Programm rund um Forschung und Kultur zu bieten. Mit unseren Neulingen – der Surf Club Stage und dem Technobus – bieten wir in diesem Jahr ein noch breiteres kulturelles Spektrum an.
Auch Warnemünde punktet an mehreren Orten. Der Kurhausgarten ist an allen vier Sailtagenfester Programmbestandteil, und mit der zweiten Auflage vom Minimatrosenfestival wird es am Freitag für die kleinsten Sail-Gäste wieder laut und fröhlich. Ein Bummel über die Promenade lohnt sich immer. Und am Strand wird in der Wal-Bar das HanseFiSH wieder veranstaltet. Von Donnerstag bis Sonntag freuen wir uns hier auf ein hochwertiges Programmrund um Feuerwerk, Konzerte, Musikvideos und der Ocean Filmtour. Am Passagierkai lässt sich das Ein- und Auslaufen der Segler beobachten und am Samstag gibt es ein Konzert auf der WIRO-Tribüne auf der Mittelmole.
Im IGA-Park öffnet das Traditionsschiff seine Türen und auch die Historische Bootswerft, die Mini Sail und das Jugendschiff Likedeeler werden ein vielfältiges Programm bieten.
In Gehlsdorf bieten wir erstmalig im neu gestalteten Fährhaus „The Ferry Club“ einen Platz für einen Küstenbrunch mit unglaublichem Blick auf das Stadthafen-Panorama an.
0381-MAGAZIN: Wird der Stadthafen in diesem Jahr wieder vollständig als Veranstaltungsfläche genutzt oder gibt es Veränderungen bei der Flächenaufteilung? Welche Auswirkungen hat das auf das Erlebnis für die Gäste?
Hanse Sail, Bettina Fust:
Der Stadthafen befindet sich weiterhin in einer Entwicklungsphase, die Hanse Sail kann in diesem Jahr aber in gleicher Größenordnung wie 2025 stattfinden.
0381-MAGAZIN: Die Hanse Sail lebt nicht nur von den Schiffen, sondern auch von den maritimen Orten in Rostock und Warnemünde. Wie gelingt es, bestehende Standorte wie Museen, Vereine, Traditionsschiffe oder den IGA Park in das Gesamtkonzept einzubinden?
(Stichwort: Marine, Sonderprogramm auf dem Tradi)
Hanse Sail, Bettina Fust:
Die Hanse Sail lebt davon, dass sich viele Menschen mit der Veranstaltung identifizieren und sie – ob als Ehrenamtler, Mitglieder von Vereinen, Museen etc. – unterstützen. Unser Ansatz ist es, den verschiedensten Einrichtungen von Rostock im Rahmen der Sail die Möglichkeitzu geben, um sich zu präsentieren und dem Erscheinungsbild der Hanse Sail und Rostock im Ganzen einen individuellen Rahmen zu verleihen.
0381-MAGAZIN: Großveranstaltungen stehen heute vor vielen Herausforderungen – von steigenden Kosten über Sicherheitsanforderungen bis hin zur Gewinnung internationaler Schiffe. Welche Themen beschäftigen das Organisationsteam aktuell am meisten und wie begegnen Sie diesen?
Hanse Sail, Bettina Fust:
Die Herausforderungen sind in vielen Bereichen gestiegen. Viele Traditionsschiffe für 4 Tage nach Rostock zu holen, ist sicher die zentralste Aufgabe und eine große Herausforderung. Die Finanzierung einer Hanse Sail ist die zweite große Aufgabe, die in den letzten Jahren nicht einfacher geworden ist. Wie in allen Lebensbereichen kämpfen auch wir mit steigenden Kosten. Umso glücklicher sind wir, dass uns eine Vielzahl von Partnern und Sponsoren seit vielen Jahren eng an unserer Seite steht, den Wert der Hanse Sail schätzt und uns nicht nur finanziell unterstützt.
Und natürlich sind wir auch immer auf der Suche nach Menschen, die uns dabei helfen, die Hanse Sail überhaupt durchzuführen, seien es Schiffsbetreuer, Shuttle-Fahrer, Parkeinweiser, Techniker, Künstlerbetreuer. Es ist herausfordernder geworden, alle erforderlichen Positionen zu besetzen, meistens gelingt es uns aber trotzdem. Denn am Ende kennt immer irgendwer noch irgendwen, der noch nicht mitgemacht und die Hanse Sail auch mal hinter den Kulissen erleben möchte.
0381-MAGAZIN: Wann haben Sie während der Hanse Sail selbst das Gefühl: Jetzt ist wieder Hanse Sail?"
Hanse Sail, Bettina Fust:
Das Besondere ist natürlich immer wieder dieses einzigartige Flair, was sich im Laufe des Tages verändert, aber immer besonders bleibt. Wenn morgens noch Ruhe auf dem Gelände herrscht und die Crews der Schiffe ihre Vorbereitungen für die Ausfahrten treffen, ist es ebenso besonders wie am Tage, wenn die Schiffe ein- und auslaufen und der Trubel an Land spürbar ist. Und abends, wenn die Schiffe wieder festmachen ist es wieder noch eine andere, aber ebenso schöne Stimmung, die mich jedes Mal wieder glücklich macht.
Ein erstes Hanse Sail Gefühl stellt sich aber schon Anfang der Sail-Woche ein, wenn im Büro plötzlich gefühlt zehnmal so viele Menschen unterwegs sind – und jeder hat etwas zu tun: Flaggen sortieren, Parkscheine ausdrucken, Shirts verteilen, Listen ausgeben, Telefonieren, Mails beantworten, Schlüssel annehmen, Programmhefte ausliefern, Taschen packen etc. Denn das Einzigartige an der Hanse Sail sind immer wieder die Menschen, die das Fest überhaupt möglich machen.