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Uva Piterane – das Literaturhaus im Aufbruch
Feb 26
Seit dem 1. Januar 2026 führt Uva Piterane die Geschäfte des Literaturhauses Rostock. Im Gespräch verrät sie, wie sie Finanzstabilität in unsicheren Zeiten sichert und welche Rolle die Vereinsarbeit sowie große Bildungsprojekte wie „Weltenschreiber für M-V“ spielen.
Als die Nachricht die Runde machte, Uva Piterane sei die neue Leiterin des Literaturhauses, schoss mir als Erstes die Frage durch den Kopf: Ist Ulrika Rinke weg? Die Antwort ist klar: Nein. Ulrika Rinke bleibt die Programmleiterin und damit das inhaltliche Herz der Institution. Uva Piterane übernimmt die Geschäftsführung, eine strategisch wichtige Position, die den wirtschaftlichen und organisatorischen Rahmen verantwortet. Sie ist die Frau für die Finanzen, die Vereinsführung, die interne Organisation und die Abstimmung mit Kooperationspartnern sowie dem Trägerverein. Sie muss Veranstaltungen kalkulieren und, falls nötig, mit einem Augenzwinkern sagen, ob eine teure Autorin oder Autor ins Budget passt.
Eine Karriere im Dienste der Kultur
Uva Piteranes Weg zum Literaturhaus ist das Ergebnis eines konsequenten Engagements in der Rostocker Kulturszene. Geboren und aufgewachsen in Lettland, führte sie ihr Germanistikstudium über ein DAAD-Stipendium an die Universität Rostock.Nach ihrem Abschluss blieb sie der Stadt treu und prägte fast ein Jahrzehnt lang die Uwe Johnson-Gesellschaft, in der sie sieben Jahre lang als Geschäftsführerin fungierte. Diese Erfahrung in der Vereinsarbeit und im Kulturmanagement legte den Grundstein für ihre jetzige Aufgabe. Der unmittelbare Sprung ins Literaturhaus erfolgte 2024 als Teil-Projektleiterin für das großangelegte Programm „Weltenschreiber für M-V“, gefördert von Ministerium für Bildung und Kindertagesförderung M-V.
Das „Weltenschreiber“-Projekt ist Teil des Jungen Literaturhauses und ein Leuchtturm in der bundesweiten Literaturvermittlung und umfasst vier Säulen für das ganze Bundesland: Schreibwerkstätten im Unterricht (Autorinnen und Autoren besuchen Schulen und arbeiten mit den Kindern auf Augenhöhe), Fortbildungen für Lehrkräfte (Schulung der Pädagogen in literarischen Schreibmethoden und Lesefördermöglichkeiten), Leseland M-V (Veranstaltungen für Schulen und Kitas, oft in Bibliotheken) und Gedankenflieger (Philosophieren mit Grundschulkindern). Besonders hervorzuheben ist auf lokaler Ebene das „Büchertürme-Projekt“ für Kitas und Schulen. In diesem Rahmen „erlesen“ Kinder symbolisch Rostocker Stadttürme wie das Kröpeliner Tor, wobei die Kleinsten mithilfe von Studierenden der Universität Rostock Bücher vorgelesen bekommen. Da die Evaluierung des Projekts durch die Universität Rostock sehr positiv ausfiel, ist die Verlängerung des Projekts um weitere vier Jahre beantragt – eine wichtige Aufgabe, die Uva Piterane nun aus der Geschäftsführung heraus weiterhin eng begleiten wird, auch wenn die Teil-Projektleitung selbst neu besetzt wird.
Mehr als nur Verwaltung: Gestaltungswille und Kooperation
Ihr Fokus liegt nun auf der Sicherstellung der Wirtschaftlichkeit. Nach dem Ausscheiden ihres Vorgängers Reiner Mnich in den Ruhestand ist Uva Piterane bereit, die Führung zu übernehmen. „Ich habe mich bewusst beworben, weil ich Lust auf mehr Verantwortung hatte“, erklärt sie.
Die Herausforderungen im Kulturbereich sind unbestreitbar. Angesichts steigender Kosten und im Vorfeld der Landtagswahlen, bei denen Kulturetats oft auf dem Prüfstand stehen – sei „eine dicke Haut“ notwendig, so Piterane. Sie möchte jedoch nicht nur verwalten, sondern gestalten:
„Ich freue mich darauf, mit Ulrika zusammen die Ausrichtung des Literaturhauses zu gestalten und weiterzuentwickeln. Wir sind sehr frei in dem, was wir machen, und unser Bestreben ist es, ein vielfältiges Angebot von Veranstaltungen zu machen, die das Publikum in der Breite interessieren, die Anspruch und Zugänglichkeit vereinen und gesellschaftlich relevant sind.“
Dies erfordert strategische Kooperation. Das Literaturhaus ist eng vernetzt, unter anderem mit anderen Akteur:innen der freien Kultur, mit Buchhandlungen, Stiftungen, dem Volkstheater. Die Abstimmung von Mitteln und Zeitpunkten für gemeinsame Projekte ist ein Kernstück der Arbeit gemeinsam mit der Programmleitung. Auch die Integration in das Peter-Weiss-Haus und die Nutzung der gemeinsamen Räumlichkeiten spielt dabei eine Rolle.
Die ersten Akzente
Ihr Amtsantritt ist bereits mit konkreten Terminen verbunden. Am 27. Februar 2026 findet der traditionelle Jahresempfang im Vienna House by Wyndham Sonne statt. Als prominenter Gast wird die Journalistin und Autorin Gilda Sahebi mit dem Buch „Verbinden statt spalten. Eine Antwort auf die Politik der Polarisierung“ erwartet.
Zudem steht eine Kooperationsveranstaltung in der Kunsthalle Rostock 19. Februar 2026 an, die sich in einer Lesung und Diskussion mit dem Autor Max Czollek und Thomas Werner vom Kulturamt dem Thema Erinnerungskultur widmet.
Uva Piterane blickt ihrer neuen Aufgabe optimistisch entgegen: „Wenn man schon denken würde, das ist nicht zu schaffen, dann braucht man es auch gar nicht anfangen. Ich freue mich auf die Herausforderung.“ Es ist klar: Das Literaturhaus Rostock hat eine erfahrene, engagierte und visionäre Kraft an seiner Spitze, die gewillt ist, die Institution durch die komplexen Zeiten zu steuern.
ANTJE BENDA
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