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Rostocks Babylotsen – der Rettungsanker für Mütter in Not

Rostocks Babylotsen – der Rettungsanker für Mütter in Not

Jan 26
Manchmal ist der Start ins Familienglück alles andere als rosarot. Die Freude über ein neugeborenes Kind wird nicht selten überschattet von Ängsten, Überforderung und dem Gefühl, ganz allein dazustehen. Marie Hagen, Leitung Team Babylotsen, schilderte, dass es in dem Projekt „Babylotsen“ um so viel mehr als nur um Behördenkram geht. Es geht um das unverblümte Leben mit einem Neugeborenen.

Die Hansestadt Rostock hatte schon immer unterstützende Angebote für frisch gebackene Eltern. Das Problem war nur, dass die Eltern sich meist selbst auf den Weg machen mussten, um davon zu erfahren oder sie zu nutzen. Eine Hürde, die in dieser herausfordernden Zeit zu hoch war. Marie Hagen und ihr Team von den Babylotsen versuchen seit 2022 diese Hürde abzubauen. „Ein weiterer Grund warum die Babylotsen in Rostock entstanden, war eine schlichte Notwendigkeit“, erzählt die Leiterin des Projekts. Im Rostocker Südstadt Klinikum bemerkte Dr. med. Dirk Olbertz, Chefarzt der Neonatologie, einen alarmierenden Trend: Immer mehr Eltern mit Neugeborenen zeigten einen so hohen Beratungs- und Unterstützungsbedarf, dass die Mitarbeiter ein schlechtes Gefühl hatten, sie ohne Hilfe zu entlassen. Die Lösung: Hilfe musste direkt ins Krankenhaus.
So entstand das Konzept, das die Babylotsen direkt in die Klinik integriert. Sie sind da, wo die Eltern sind – auf der Wochenbettstation im Südstadtklinikum – und machen den Zugang zur Hilfe so einfach wie möglich. „Heute fehlen die klassischen Strukturen einer Großfamilie. Ein Elternteil ist oft auf sich allein gestellt, während der Partner arbeiten geht. Die Natur hat das so nicht vorgesehen, das führt schnell zur Überlastung. Depressionen und psychische Vorerkrankungen nehmen zu. In Kombination mit Schlafmangel und dem Druck der neuen Rolle gerecht zu werden, steigt das Risiko für eine Krise im Wochenbett. Mütter und Väter deren Eltern selbst überfordert waren, fehlt die Erfahrung und/oder das Wissen wie eigene Bedürfnisse und die eines Babys unter einen Hut zu bekommen sind. Sie brauchen selbst jemanden, der mit ihnen den Alltag gestaltet und sie in der Anfangszeit behutsam anleitet. Mütter und Väter deren Eltern selbst überfordert waren, fehlt die Erfahrung oder das Wissen wie eigene Bedürfnisse und die eines Babys unter einen Hut zu bekommen sind. Sie brauchen selbst jemanden, der mit ihnen den Alltag gestaltet und sie in der Anfangszeit behutsam anleitet“, fasst Marie Hagen zusammen. 

Wie die Tür zur Hilfe geöffnet wird
Schon bei der Geburtsanmeldung wird im Kreißsaal diskret eine erweiterte, psychosoziale Anamnese durch Hebammen vorgenommen. Abgefragt werden sensible Themen wie: War die Schwangerschaft geplant? Fühlen Sie sich durch Ihren Partner unterstützt? Haben Sie ein ihren bisherigen Beziehungen Gewalt erlebt? Liegen psychische Erkrankungen vor? Etwa 41 Prozent der Eltern haben 2024 ihr Einverständnis zur Datenweitergabe an die Babylotsen gegeben. Marie und ihre Kolleginnen Nadine und Mandy besuchen diese frischgebackenen Eltern in der Klinik und fragen: „Wie geht es Ihnen?“ „Damit öffnet sich meistens schon eine Tür“, sagt Marie Hagen.
Die Geburt kann belastend sein, und Mütter geraten manchmal in den Hintergrund, weil so viel Aufmerksamkeit auf das Neugeborene gerichtet ist. Hier schaffen die Lotsen einen Raum zur Entlastung. Dabei sind sie keine Konkurrenz zu bestehenden Hilfsangeboten, sondern Brückenbauer. Sie nehmen den "Staffelstab" in der Klinik auf und geben ihn erst weiter, wenn die Familie sicher bei einer Folgestelle angekommen ist. Das kann sein: Eine Familienhebamme, die bis zum 18. Lebensmonat begleitet, eine Mütterpflegerin (finanziert über die Krankenkasse bei Diagnose), die ganz praktisch im Haushalt unterstützt, Beratungsstellen, Familienbildungsstellen oder Eltern-Kind-Gruppen.
Das größte Problem in den Augen von Marie ist aktuell der Wegfall des Familienpatenprojekts „wellcome“. „Ehrenamtliche, die zweimal die Woche vorbeikommen und ein bisschen entlasten, indem sie das Kind eine Stunde betreuen. Das fehlt.“ Marie spürt diese Lücke: Sie steht am Bett und weiß, was die Familie am meisten bräuchte, aber die passgenaue Hilfe (eine einfache, unbürokratische Entlastung) ist nicht verfügbar. Das Team der Babylotsen arbeitet daran, selbst eine Struktur zu schaffen, um diese essenzielle ehrenamtliche Unterstützung zurück nach Rostock zu holen.
Hier zeigt sich was die Babylotsen ausmacht: Sie sind der erste Rettungsanker für die oft übersehenen Mütter auf der Wochenbettstation, und die sanfte Hand, die Brücken in ein unterstütztes Leben baut.

ANTJE BENDA

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