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Musik

Das Publikum glücklich machen – Gregorian im Interview

Das Publikum glücklich machen – Gregorian im Interview

Nov 25
Gregorian heißt der ungewöhnliche Chor, den der Produzent, Musiker und Songschreiber Frank Peterson 1999 ins Leben gerufen hat. Die singenden „Mönche“ stellen jetzt ihr Jubiläumsalbum „Live 25“ auf einer großen Tournee vor. Darauf enthalten Pop- und Rockklassiker im Stil der Gregorianik. Olaf Neumann sprach vorab mit Mastermind Peterson. Der 61-jährige Hamburger, der als „Anti-Bohlen“ bezeichnet wurde, blickt auf über 40 Millionen verkaufter Tonträger zurück. Ein Gespräch über hohe Gesangskunst, einen Rechtsstreit mit YouTube und Konzerte in Trumps Amerika.

0381-Magazin: „25 Live“ ist bereits die zweite große Veröffentlichung von Gregorian in diesem Jahr. Was ist der Grund dieser Produktivität?
Frank Peterson: In den vergangenen 25 Jahren haben wir 22 Alben veröffentlicht. Ja, das ist eine große Produktivität. Unsere letzte DVD kam 2016 heraus. Und 2020 war schon ein komplettes Team am Start, alles war bezahlt, Hotels gebucht, Autos, Equipment gemietet, ein Filmteam auf dem Weg nach Prag. Aber dann wurde alles unterbrochen aufgrund der damals grassierenden Corona-Pandemie. Das heißt, die Tour zum 20. Jubiläum konnten wir nicht filmen. Also haben wir es diesmal getan, in Berlin, mit Dolby Atmos. Und jetzt erscheint eine Box inklusive Blu-ray, DVD, Audio-CD und einem tollen Bildband. 

0381-Magazin: Sie gewähren Einblicke in die Kulissen und zeigen die Gesichter hinter den Stimmen. Aus welchen Ländern kommen die Gregorian-Sänger?
Peterson: Fast alle Sänger kommen aus England. Unser Sopranist stammt aus Rumänien, ein Sänger hat einen irischen Pass und einer einen amerikanischen, lebt aber in England. Dort gibt es eine sehr aktive Chor-Traditon, und die meisten Kirchen haben einen eigenen Chor. Jeder unserer Sänger hat eine fundierte Ausbildung. Finden Sie hier in Deutschland mal jemanden, der eine fundierte, klassische Gesangausbildung hat und sagt, ich gehe jetzt mit Gregorian ein halbes Jahr auf Tournee.  Und ich finde nichts schlimmer, als wenn man englischsprachige Songs mit starkem Akzent singt. Das ist vielleicht mal charmant, aber auf Dauer könnte ich das nicht ertragen. Ich gucke mir gelegentlich  mit Grauen diese ganzen Copycat-Chöre an, diese Gregorian Grace und Gregorian Voices aus der Ukraine, aus Bulgarien oder Polen. Für mich klingt es fies, wenn ein lyrischer Song wie “Hallelujah” von Leonard Cohen mit penetrantem Ostblock-Akzent gesungen wird. Man glaubt fast, dass die nicht wissen, wovon sie da eigentlich singen. Es klingt, als sängen sie lediglich die Lautschrift in ihren Karnevals-Kutten. Ich habe da einen deutlich höheren Anspruch.

0381-Magazin: Welche spezielle Dinge muss ein Sänger beherrschen, um bei Ihnen mitmachen zu können?
Peterson: Der englische Ausdruck für diese Gesangsart heißt Plain Song. Das heißt, du musst total puristisch, ohne Ausdruck und ohne Vibrato singen. Normalerweise stützt jeder Sänger, der einen langen Ton hält, mit Vibrato. Das ist eine ganze normale physische Sache. Unsere Sänger aber sind klassisch ausgebildet und können lange Noten klar singen ohne Vibrato-Stütze. Dadurch entsteht der typische Gregorian-Sound. 

0381-Magazin: Was ist eigentlich aus Ihrem Urheberrechtsstreit gegen die Videoplattform geworden? 
Peterson: Ich habe ihn verloren, aber Teilerfolge erringen können. Das Gericht hat YouTube bescheinigt, dass sie nicht selbst verantwortlich sind für die Inhalte, die auf ihrer Plattform hochgeladen wurden. Und genau das ist die Krux. Wenn jemand in einer Zeitung eine Anzeige schaltet, die nicht verfassungskonform ist, haftet die Zeitung dafür, während YouTube nicht haftet. Die Rechtssprechung für die analoge und die digitale Welt sind scheinbar immer noch nicht harmonisiert, was ich absurd finde. Es ärgert mich, weil ich eine völlig andere Rechtsauffassung habe. Ich hätte noch eine Nichtzulassungsbeschwerde machen können, aber nach zwölf Jahren hatte ich die Nase voll. Ich hatte in diesem Verfahren bereits zu viel Geld, Zeit und Engergie versenkt. 

0381-Magazin: Warum haben Sie dieses Verfahren überhaupt angefangen?
Peterson: Sarah hat zusammen mit mir eine extrem aufwendige Show kreiert, u.a. mit Holographien. Dergleichen hatte man noch nie gesehen. Auf der Bühne entstand um sie herum ein Schloss. Wenn ihr Arm nach oben ging, kamen da Schmetterlinge heraus. Völlig einzigartig und beeindruckend. Bei unserer Eröffnungs-Show in Guadalajara in Mexiko waren 12.000 Leute geflasht. Alle holten ihre Handys raus und filmten die Show. Aber mit den Handys von damals konnte man diese Holographien und verblüffenden Effekte nicht wirklich filmen. In den hoch geladenen Videos sah es aus, als stünde Sarah auf einer leeren Bühne. Und dann ging unmittelbar der Shitstorm von enttäuschten Fans im Rest der Welt los. 

0381-Magazin: Mit welchen Folgen?
Peterson: Es schlug sich auf die Ticketverkäufe nieder. Deutsche und europäische Veranstalter sagten, wir haben das auf YouTube gesehen, wir wollen die Show lieber nicht kaufen. Da dachte ich, jetzt hat uns die allseits beliebte Streaming-Plattform YouTube nicht nur die Tonträger- und DVD-Verkäufe zunichte gemacht, jetzt machen sie das auch mit den Ticketverkäufen. Wir müssen dagegen vorgehen, es geht so nicht weiter! YouTube wollte aber weder eine Unterlassungserklärung abgeben, noch sonst etwas gegen diese illegalen Uploads und Urheberrechtsverletzungen unternehmen. Das sei nicht ihr Problem, sie stellten nur die Plattform zur Verfügung. In letzter Instanz hat der EuGH ihnen zugestanden, dass sie für die Inhalte auf ihrer Webseite nicht haften müssen. Somit war die Sache erledigt.

00381-Magazin: Saß Donald Trump, ein bekennender Fan von Sarah Brightman, bei der besagten Tour der Künstlerin im Publikum?
Peterson: Trump war bei Sarah schon mehrfach im Publikum, auch bei dieser Tour war er sicher dabei. Ich habe ihn mal in New York im Madison Square Garden gesehen, wo er mit seiner Entourage prominent in die Halle kam. Also, ich habe zu dem Mann persönlich keinen Draht. Ich habe aber gerade etwas Probleme, für meine Sänger Visa für die Amerika-Tour zu bekommen. Ein Arbeitsvisum braucht mittlerweile acht Monate. Angeblich ist ein Gesetz in der Mache, wonach wir in Zukunft pro Sänger 100.000 Euro Pfand hinterlegen müssen, bis er wieder ausreist. Bei den Scorpions ginge das vielleicht, oder wenn Elon Musk einen Raketenforscher aus Deutschland abwirbt, aber für uns würde dies bedeuten, dass wir in Zukunft nicht mehr in den USA touren könnten.

0381-Magazin: Sie haben 20 Jahre in Florida gelebt. Was hören Sie im Moment von amerikanischen Freunden? 
Peterson: Das ist ganz unterschiedlich, aber ich habe eher wenige republikanische Freunde. Ich glaube, das, was gerade vor sich geht, ist vielen meiner demokratischen Freunde eher peinlich und unangenehm. Meine Tochter zum Beispiel lebt in New York. Sie will über Politik gar nicht reden, weil es sie zermürbt und runterzieht. Sie will ihr Studium zu Ende bringen und dann nach Europa. Amerika ist politisch sehr gespalten, und die meisten Amerikaner, die ich kenne, vermeiden lieber, über Politik zu reden. Ich kenne auch ein paar Leute, die resigniert sind und sagen: "This country is totally fucked up!" 

0381-Magazin: Sie haben “Moment of Peace” in Ihrem Live-Repertoire. Das ist ja ein Statement. Wird das Lied auch in den USA gespielt werden? 
Peterson: Wir haben diesen Song seit 23 Jahren im Programm und bei fast jeder Show gespielt. Es ist ja immer irgendwas los auf der Welt. Wir unterstützen “Moment Of Peace” immer visuell mit aktuellen Szenen zum Migrationsproblem oder zu Bürgerkriegen. Diesmal haben wir ein noch viel stärkeres Statement, den Song “Children of the Sea”. Darin geht es um die ertrunkenen Flüchtlinge im Mittelmeer, auch wieder mit bewegenden Projektionen. Die USA wurden ja quasi von Migranten bevölkert und entdeckt, von Hasardeuren auf der Suche nach einer besseren Welt. Deswegen ist es absurd, sich prinzipiell gegen Einwanderung zu verwehren. Ich meine, Amerika ist von Migranten aufgebaut worden! Ich habe gehört, dass dort mancherorts in der Landwirtschaft heftige Probleme gibt, weil sich viele Erntehelfer ohne Aufenthaltsgenehmigung aus Angst vor den ICE-Schergen nicht mehr auf die Straße trauen. Gleiches gilt für Personal beim Bau, in Hotels, Restaurants oder in Krankenhäusern. Ich würde fast behaupten wollen, dass die meisten illegalen Migranten hart arbeiten und somit zum Rückgrat der amerikanischen Wirtschaft gehören. Viele wohlhabende Republikaner beschäftigen illegal eingewandertes Hauspersonal oder Gärtner. Ich frage mich, wie diese Republikaner mit der Bigotterie leben können, die sich aus der momentanen politischen Situation ergibt. Aber auch unsere Sänger auf Tournee oder mich als Tourist betrifft die politische Situation in den USA: Wir müssen immer unseren Pass bei uns tragen. Andernfalls kann ruckzuck eine Strafe über 5.000 Dollar fällig werden. 

0381-Magazin: Der Chor hat auch große Tourneen mit der Transsibirischen Eisenbahn in ganz Russland unternommen, wo er in großen Arenen aufgetreten ist. Wie war das?
Peterson: Das war vor vielen Jahren. Unsere Sänger und die Crew saßen bis zu 21 Stunden in der Eisenbahn, von Show zu Show. Da hat man ja Mitleid. Vor allen Dingen, wenn man von den Umständen erfährt. Dort gibt es Decken, die seit gefühlt 14 Jahren nicht gewaschen worden. Auf den Tisch kommen immer nur Gemüsebrühe und Borschtsuppen. 15 Shows in drei Wochen - die Jungs haben sich die Zeit mit Gesellschaftsspielen, Alkohol nicht näher beschrieben Exzessen vertrieben. Aber keiner von denen, die dabei waren, hat sich jemals beschwert. Alle sagten, das sei das Abenteuer ihres Lebens gewesen. Wer fährt schon mit der Transsibirischen Eisenbahn quer durch dieses riesige Land. Die Jungs waren oben im Polarkreis, in der Mongolei, in Vladivostok und konnten fast Japan sehen. 

0381-Magazin: Bekommen Sie eigentlich noch Nachrichten aus Russland?
Peterson: Nein, nichts, es ist alles komplett tot. Die russischen Veranstalter wissen, dass Gregorian garantiert nicht zur Verfügung steht, solange ihr Land Krieg gegen die Ukraine führt. Ich bin mit einer russischen Sängerin befreundet gewesen, Eva Mali. Sie war mit uns auf “Epic Chants”-Tournee. Mit ihr haben wir sogar einen Song aufgenommen, die Waterdance-Nummer. Eva Mali war damals schon pro Putin und ist es wahrscheinlich immer noch. Auch sie hat den Kontakt abgebrochen. Aber ich möchte ohnehin mit niemandem Kontakt pflegen oder kollaborieren, der pro Putin ist.

20.12.2026 · 20.00 Uhr · Stadthalle

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