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Musik

 Annett Louisan kommt mit Jazzband

Annett Louisan kommt mit Jazzband

Nov 23
Bereits Anfang des Jahres hat Annett Louisan ihr Album „Babyblue“ veröffentlicht, mit dem sie es auf Platz acht der deutschen Charts schaffte. Ein halbes Jahr später, am 29. Oktober 2023, startete ihre Tour in Nürnberg. In Rostock macht sie am 15. November in der Stadthalle Stopp. Unsere Redakteurin Antje Benda hat vorher mit ihr telefoniert. 
Annett Louisan war 2014 im MOYA und 2019 in der Stadthalle in Rostock. Ihre eigentliche Verbindung zu unserer Hansestadt liegt aber nicht zwingend bei ihren Konzerten. Bereits als Kind lief sie wahrscheinlich mit nacktem Po an unseren FKK-Stränden umher und verbrachte die Ferien bei ihrer Tante. Es sind in erster Linie Kindheitserinnerungen, die sie ereilen, wenn sie an Rostock denkt. An eine Zeit in ihrem Leben, die sie mit kindlicher Naivität erlebte. Im Oktober kehrt sie zurück mit einem Album im Gepäck, welches ihren dritten Lebensabschnitt unter die Lupe nimmt. „Babyblue“ schaut auf die „mittleren Jahre“, wie sie es selbst im Opener ihres Albums benennt. „Ich gehe mit einer Jazzband zusammen auf Tour, mit der ich auch das Release Anfang des Jahres in der Elbphilharmonie gespielt habe. Das sind Improvisationsmeister, die alles nochmal anders wirken lassen. Wir werden die neuen Titel spielen, aber auch die Klassiker wie ‚Drück die 1‘ oder ‚Die schönsten Dinge sind aus Holz‘. Das Schöne ist, dass meine Fans nicht so an den alten Titeln hängen und ich viel ausprobieren kann.“

0381-MAGAZIN: „Statt des Herzens klopft nur noch der Herbst“ heißt es in „Die mittleren Jahre“. Versuch mal zusammenzufassen, wie sich dieser Herbst in deiner Musik widerspiegelt. 
Annett Louisan: In der Musikbranche ist es sehr schnelllebig geworden und als Musiker hast du gar nicht mehr die Chance,  musikalisch und an Jahren so alt zu werden wie David Bowie oder die Rolling Stones. Es herrscht Ageism (Altersdiskriminierung) in der Musik. Ich habe mit meinen Chansons die Möglichkeit, es in einer Nische zu schaffen. Im Vorfeld haben einige hinterfragt, ob ich wirklich das Thema der mittleren Jahre angehen soll. Aber Ehrlichkeit ist für mich einfach das Wichtigste. Was häufig vergessen wird, ist, dass die Titel auch nur Momentaufnahmen sind. Stell dir vor, ich sitze abends um elf auf der Couch und stell mir die Frage: Was will ich jetzt noch machen? Was kommt jetzt noch? Ich glaub, solche melancholischen Momente kennt jeder. Ich finde es ganz schön, sich im Kleinen zu treffen und eine spezifische Situation mit der Musik festzuhalten. Ich gehe auf das Älterwerden ganz gelassen zu. Ich will auch nicht dahin, wo ich schon war. Ich freue mich darauf, was für eine komische alte Tante ich werde.

Die Musikerin bereut bis heute nicht viel, außer vielleicht, mal zu lange in bestimmten Situationen verweilt zu haben, die ihr nicht gut taten. Mittlerweile hat sie es gelernt, „Nein“ zu sagen und kann sich besser schützen. Die Naivität der Jugend hat sie sich verziehen, schreitet anmutig durch die Gegenwart und schaut erwartungsvoll in die Zukunft. Für einen zunächst kurzen Moment war der Musikproduzent und Songwriter Tim Tautorat an ihrer Seite, der unter anderem mit AnnenMayKantereit zusammengearbeitet hat und durch seinen analogen Sound und handgemachte Arrangements besticht.  

0381-MAGAZIN: Dein Song „Zuckerbrot und Peitsche“ wird in den Vocals von Tim Tautorat unterstützt. Er hat das Album mit dir auch produziert. Wie kam es zu der Zusammenarbeit? 
Annett Louisan: Ich bin Fan vom Sänger Faber und der Indie-Band Jeremias und dadurch auf ihn aufmerksam geworden. Wir haben uns kennengelernt und zum Schreiben getroffen. Er war sehr ungewöhnlich und sah mit seinem Anzug aus den 1960er Jahren aus, wie jemand, der der Serie „Mad Men“ entsprungen ist. Wir hatten die gleichen Visionen und dann relativ schnell entschieden, ein gemeinsames Album zu produzieren. Der Song selbst mit seiner Stimme ist dann ein Zufallsprodukt gewesen. Wir wollten den Titel mit männlichem Gesang ergänzen und Tim hat das Demo beigesteuert. Er ist ja von Haus kein Sänger, sondern Produzent. Aber das war so schmierig geil und so ein Ausdruck toxischer Spielerei, dass wir es so behalten haben. 

0381-MAGAZIN: In „Hallo Julia“ geht es um Religion. Es fühlt sich nach „belächeln“ an. Was steckt dahinter? 
Annett Louisan: Der Song hat schon einige Reaktionen hervorgerufen. Ich bin nicht religiös, aber ich bin spirituell und ich finde Religion gefährlich. Eigentlich hatte ich nur das Bedürfnis, dieses Thema zu behandeln, weil ich es noch nie zuvor getan hatte. Also wollte ich humorvoll an die Sache gehen.

„So viel hab' ich schon durchgemacht, doch noch nie war ich religiös.
Heut fang' ich mit Katholisch an, denn die sind so schön pompös.
Dann trink' ich gratis roten Wein, zur Not gibt es immer Brot.
Könnte über Wasser geh'n, es gäb ein Leben nach dem Tod. “
(„Hallo Julia“ Album: Babyblue, 2023)

Dass Annett Louisan provoziert, ist nicht neu. Bereits mit ihrem Titel „Das Spiel“ (2004, Bohéme) erhitze sie die Gemüter. Morddrohungen waren in dieser Zeit für sie nichts Ungewöhnliches. Einige Menschen verstanden nicht, wie eine Frau ihre Bedürfnisse so direkt äußern konnte und es dadurch wagte, in die Rolle eines Mannes zu schlüpfen. „Dabei geht es um Gleichstellung und deswegen werde ich immer noch angegriffen. Aber das schadet mir heute nicht mehr. Ich sag immer, ich bin sexistisch in alle Richtungen. Meine Meinung gegen die AfD schadet mir hingegen tatsächlich, das hat mich Fans gekostet. Aber wenn wir anfangen, käuflich zu werden und anfangen zu manipulieren, wo hört es dann auf. Meine Meinung lasse ich mir nicht nehmen.“

Knapp zwei Wochen vor Tourauftakt veröffentlicht die Chanteuse am 13. Oktober ihr Live-Album aus der Elbphilharmonie. Auf dem Cover sieht Annett Lousian aus wie Hildegard Knef. Ein nach ihrer Aussage ungewolltes, aber schmeichelndes Resultat. „Meine Stimme ist so anders und trotzdem werde ich immer wieder mit ihr verglichen.“ Ähnlich wie Hilde ist auch sie, wie bereits erwähnt, provokant und lustig. Ihr modischer Stil ähnelt stark dem der Grand Dame und sucht seine Inspiration in den Zeiten eines Serge Gainsbourg. Mit ihrem Album „Babyblue“ will sie an diese Zeiten anknüpfen und die klaffende Lücke zwischen Hilde und ihr schließen. Obwohl wir in einer Zeit leben, in der wir mehr auf den Titel als das ganze Album schauen, hat sie es mit einer bewussten Songauswahl geschafft, einen Kreis zu zeichnen, der nicht nur dem geneigten Chansonliebhaber am 15. November in der Rostocker Stadthalle gefallen wird. „Verrückterweise gib es viele Leute, die mich fragen: ‚Machst du überhaupt noch Musik?‘ Ich finde halt nicht mehr überall statt und bin froh, dass ich jetzt in dieser Nische meine Musik machen kann.“

15.11.2023 · 20.00 Uhr · Stadthalle

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