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Auf den Spuren der inneren Stimme

Auf den Spuren der inneren Stimme

Aug 22
Kennen Sie Ihre innere Stimme? Jetzt – in diesem Moment, wenn Sie diesen Text lesen – hören Sie das Gelesene in Ihrem Kopf? Achten Sie mal darauf. Denn sobald man darauf achtet, so die wissenschaftliche Meinung zu Leseprozessen, hört man seine eigene innere Stimme beim Lesen oder auch beim Denken. Auch beim morgendlichen Selbstgespräch bei der Kleiderauswahl vor dem Schrank oder im Stau auf dem Weg ins Büro spricht die innere Stimme. Forscherinnen der Universität Rostock sind der Geschichte der inneren Stimme nun auf der Spur.

Diese sogenannte innere Stimme wird heute von Sprach- und Literaturwissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern ausgiebig erforscht. Am Institut für Romanistik der Universität Rostock macht sich nun ein Forschungsteam um Professorin Stephanie Wodianka daran, genau diese Stimme zu ergründen. Die Schwierigkeit dabei? Im Projekt geht es nicht primär um die heutige innere Stimme, sondern um die innere Stimme von Menschen aus dem 16. und 17. Jahrhundert in Frankreich und Italien. Die Stimme dieser Menschen, deren Leben stark vom christlichen Glauben geprägt war, drehte sich nur bedingt um Kleiderauswahl am Morgen, sondern oftmals um das Gebet und die Meditation, die zu Selbst- und Gotteserkenntnis führen sollten.

Innere Stimme zum Sprechen bringen
Wie kommt man darauf, Stimmen und sogar innere Stimmen von Menschen, die vor mehreren Jahrhunderten lebten, ‚hörbar' zu machen? „In dieser Zeit hat die katholische Kirche den Gläubigen empfohlen, möglichst mit einer unhörbaren Stimme zu beten und zu meditieren. Diese Aufwertung der inneren Stimme war neu, da Gebete zuvor meist laut gesprochen und Texte laut gelesen wurden", so Franziska Schreiber, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Forschungsprojekt. Aber welche Worte sollten nun beim inneren Gebet verwendet werden? „Ob es auch eigene Worte sein durften, und wie man überhaupt eine solche innere Stimme zum Sprechen bringt, war nicht eindeutig erklärt. Bei unserer Forschung versuchen wir, in der religiösen Literatur der Frühen Neuzeit Hinweise darauf zu finden, wie die Betenden mit diesem Problem umgegangen sind", erzählt die Doktorandin, die die Arbeit mit den über 400 Jahre alten Drucken und Texten begeistert. Die 27-Jährige, die in Rostock aufgewachsen ist und an der Rostocker Universität Französisch, Geschichte und Deutsch studierte, absolvierte zunächst an einer Gesamtschule in Malchow ihr Referendariat. Inzwischen ist sie an die Universität und an den Lehrstuhl für Französische und Italienische Literaturwissenschaft zurückgekehrt und freut sich auf die intensive Arbeit mit den alten Büchern an einem, so Schreiber, „überhaupt nicht verstaubten Thema".

Innere Stimme der Frühen Neuzeit hallt bis heute nach
Professorin Wodianka, die Leiterin des Projekts, erklärt das Forschungsinteresse so: „Wenn wir besser verstehen, wie Menschen im 16. und 17. Jahrhundert ‚innerlich' gebetet und meditiert haben und welche Bedeutung dabei das Lesen und Schreiben literarischer Texte hatte, verstehen wir besser, warum für uns auch heute die Lektüre oftmals ein wichtiger Rückzugsort ist. Denn hier sprechen wir zu uns selbst mit fremder Stimme – oder ist es doch die eigene Stimme, die wir beim Lesen hören...?"
Gleichzeitig werden im Projekt Gesellschaftsstrukturen des 16. und 17 Jahrhunderts untersucht, die bis heute eine Rolle spielen. Denn das Forschungsprojekt, das den Titel „Voix und Parole" trägt, also französisch für „Stimme und Sprechen", und von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert wird, vereint vielfältige Forschungsdisziplinen mit internationaler Reichweite. Denn hier geht es sowohl um den Vergleich religiöser Literatur in Frankreich und Italien und um die Lektüre- und Sprachpraxis in der Frühen Neuzeit, aber auch allgemein um das damalige Menschenbild und um Fragen der Behandlung unterschiedlicher Geschlechter, dem so genannten Gendering. Gab es beispielsweise bestimmte Zuschreibungen und Normen für ‚männliche' im Unterschied zu ‚weiblichen' Stimmen? Wie wurde mit männlicher oder weiblicher Sprache und Autorschaft umgegangen?
Im Forschungsprojekt tätig ist auch Julia Borzinski. Die Romanistin, die Französisch, Italienisch und Spanisch spricht, kümmert sich um die internationale Öffentlichkeitsarbeit und die Beschaffung von digitalisierten Quellen. So können die Forschungsergebnisse international sichtbar werden und später für andere Forscher und Forscherinnen zur Verfügung stehen.
Für Professorin Stephanie Wodianka und ihre wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen stehen mehrwöchige Forschungsaufenthalte in Frankreich und Italien, aber auch Recherchen in Altbeständen europäischer Bibliotheken auf dem Programm. „Besonders freuen wir uns auf Vortragsreisen und Tagungen, bei denen wir unsere Forschungsergebnisse auf internationalem Parkett vorstellen und diskutieren können", so die Projektleiterin Wodianka. Und Franziska Schreiber fügt hinzu: „Diese historische Arbeit zur inneren Stimme führt uns auch ins Heute. Denn die innere Stimme begleitet jeden Menschen im Alltag – wenn man nur einmal darauf achtet …"
Sollten Sie also das nächste Mal in Gedanken versunken oder in ein gutes Buch vertieft sein, überlegen Sie doch mal, wessen Stimme da gerade zu Ihnen spricht.

Bild: Ein Teil der relevanten Literatur ist in der Sondersammlung der Universitätsbuchhandlung vorhanden, wo (v.l.) Franziska Schreiber, Professorin Stephanie Wodianka und Julia Borzinski (stehend) recherchieren. (Foto: Anna Fröhlich)

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