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Günter Jung – ein Tätowierer mit einer Vorliebe für Pferdehufe

Günter Jung – ein Tätowierer mit einer Vorliebe für Pferdehufe

Aug 21
Das Herz von Günter Jung schlägt für zwei Dinge: Haut und Hufe. Eine ungewöhnliche aber durchaus spannende Kombination. Seit über 25 Jahren arbeitet er als Tätowierer. Seine Leidenschaft für Tiere, insbesondere für pferdige Vierbeiner, brennt jedoch schon seit dem Kindesalter. Der 56-Jährige plaudert mit uns über seinen bunten Alltag zwischen Tätowiernadeln, Horsemanship und Huforthopädie.

Günter, Baujahr 65, stammt ursprünglich aus Nordrhein-Westfalen, genauer gesagt aus dem Sauerland. Oma und Opa hatten einen Bauernhof mit Nutztieren für die Ackerwirtschaft und so wuchs die Liebe zu Tieren bereits von Kindesbeinen an.  Trotz seiner schönen Heimat im Sauerland, „gehört das Herz irgendwie an die Ostsee“, so Günter. „Die Welt ist bunt, die Kinder sind aus dem Haus, also haben wir unsere Sachen gepackt und sind mit zwei Hunden und zwei Pferden im Gepäck an die Küste gezogen“. Die kreative Ader wurde ihm bereits in die Wiege gelegt. Günter jedoch entschied sich anfangs für eine Ausbildung als Maschinenschlosser, danach zog es ihn in eine Werbeagentur. Die große Vorliebe für das Zeichnen begleitete ihn trotzdem tagein tagaus. Es dauert nicht lange und Günter eröffnet wenig später sein erstes eigenes Tattoo-Studio in NRW, was er bereits seit über 20 Jahren erfolgreich führt. „Da steckt viel Herzblut drin, das Medium Haut hat mich schon immer fasziniert.“ Nach seinem Umzug nach Rostock war schnell klar, dass auch hier ein eigenes kleines Studio hermuss. Und so arbeitet er den halben Tag in seinem muckeligen, 20 Quadratmeter großen Studio „KüstenJung“ in der Rostocker Südstadt und zaubert seinen Kund*innen die feinsten Bilder auf, oder besser gesagt, in die Haut.
Lilly, Sam, Nenja und Aramis – diese vier Vierbeiner, darunter zwei Hunde und zwei Pferde, sind Günters zweite Leidenschaft neben dem Tätowieren. Die Pferde stehen in der Nähe von Bad Doberan auf vier Hektar Wiese und dürfen ganzjährig die frische Luft genießen und Pferd sein. „Alles andere ist keine natürliche Pferdehaltung“, so Günter, der mit konventionellen Methoden der Reiterei und Haltung von Pferden hart ins Gericht geht. „In den Rostocker Ställen, die man hier so in der Stadt findet, gibt es einfach zu wenig Weideland.“ Günters Pferde Nenja und Aramis stehen 24/7 auf der Koppel, bekommen ausreichend Bewegung und tragen in der kalten Jahreszeit keine wärmenden Decken, da dies die natürliche Thermoregulierung des Fells stören würde. Außerdem werden seine Vierbeiner nicht jeden Tag reinlich geputzt und gestriegelt, sondern dürfen sich im Schlamm suhlen. „Mein Kaltblut Aramis hat im Winter Dreadlocks im Schweif“, erzählt er und lacht. Was Günter mit am wichtigsten ist: Seine Pferdchen laufen barfuß. Oder eher barhuf, wie man es unter Pferdeleuten nennt. Den Grund erklärt er uns gerne in aller Ausführlichkeit.
Neben dem Tätowieren beschloss Günter zunächst eine Ausbildung zum Hufpfleger zu machen und absolviert derzeit eine weiterführende Ausbildung zum Huforthopäden an den Wochenenden. „Man sagt, ein Pferd hat fünf Herzen. Das Richtige in der Brust und in jedem der vier Hufe noch eins. Mit jedem Tritt wird Blut durch die Beine in den gesamten Körper gepumpt. Noch dazu ist fast jede Verspannung oder Schmerzen auf die Hufe zurückzuführen. Wenn der Huf nicht stimmt, überträgt sich das auf das gesamte Körpergerüst.“ Dabei erklärt er, dass es ähnlich wie bei uns Menschen sei. Nicht jeder hat gute Füße, jeder Fuß, und auch Huf, ist individuell. Durch eine gute Hufpflege- und Bearbeitung können Fehlstellungen korrigiert werden. Dies geschieht aber nicht mittels Hufeisen, das sei eine „veraltete Praktik“ laut Günter. Die Kritik gegen herkömmliche Hufschmiede schwingt hier leise mit.
Auf die Frage, ob er auch selber in den Sattel steigt, muss Günter schmunzeln: „Meistens tätowiere ich tagsüber und abends geht es zu den Pferden. Sattel rauf und dann reite ich von 19 bis teilweise 22 Uhr durch den Wald, das ist voll toll.“ Seine Pferde reitet Günter im amerikanischen Western-Stil, denn für die klassische Reitweise hat er nicht viel übrig. Auch vom Boden aus wird viel mit den Tieren gearbeitet, sozusagen Freiarbeit aus freien Stücken. Diese Methode, die auf gegenseitigem Vertrauen beruht, nennt sich Horsemanship. „Pferde sind so schlau“, schwärmt der 56-jährige. „Meine Pferde merken schon, wenn ich ankomme und die Autotür zuschlage, was ich für eine Laune habe. Aber wenn ich dann im Sattel sitze, kann ich sie rein durch meine Energie steuern. Es ist schön, mit anzusehen, wie fein ein Pferd reagieren kann, da könnte ich manchmal heulen. Man sitzt drauf und merkt erstmal, wie einfach eine Kommunikation mit Pferd sein kann.“
Eine tolle Symbiose scheint das zwischen Günter und seinen Pferden zu sein. Ebenso spannend ist auch, wie er es schafft, zwei so unterschiedliche Dinge zu kombinieren. Das Künstlerische und Handwerkliche, verschnörkelte Tattoos und warme Pferdenasen.

Luise Johanna Acker

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