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Kultur

Rayk Goetze – Glanz & Elend

Rayk Goetze – Glanz & Elend

Sep 22
Mit einem fulminanten Auftritt kehrt der Leipziger Maler Rayk Goetze (58) nach Rostock zurück. Im Kurhaus Warnemünde stellt die Galerie Joost van Mar – das KonsulaRt aktuelle Werke des Künstlers aus: knapp 40 Gemälde auf 300m2 Ausstellungsfläche. 

Nach der erfolgreichen Ausstellung 2019 in der Rostocker Petrikirche hat die Galerie eine Auswahl von neuen Werken des Künstlers aus den Jahren 2020-22 versammelt. Sie repräsentieren Rayk Goetzes jüngste Werkphase, den vorläufigen Höhepunkt einer einzigartigen malerischen Position. Der Auftritt verstärkt den aktuellen Inbegriff der zeitgenössischen figürlichen Malerei, samt der Impulse der Herkunft, die die Neue Leipziger Schule aussendet. Goetzes Malerei ist dabei eigenwillig in der Wahl ihrer Mittel, stattet sie mit neuen Ausdrucksformen aus. Wechsel und Übergänge von Figürlichem und reiner Form sind wesentlich für seine Werke. Der in Stralsund geborene Maler lebt und arbeitet nach Stationen in Rostock und Potsdam seit mehreren Jahren in Leipzig. Er hat dort an der Hochschule für Grafik und Buchkunst studiert, war Meisterschüler von Arno Rink und Neo Rauch, und konnte seine Malerei an der Accademia di Belle Arti in Florenz weiterentwickeln. Erst kürzlich wurden Bilder von Rayk Goetze auf Ausstellungen in Wien, Paris, Baden-Baden, Magdeburg und natürlich Leipzig gezeigt. 

0381-MAGAZIN: Sie haben Stahlschiffbauer gelernt. Selbst wenn Stahl auch gestrichen wird, ist der Weg zu der Kunstmalerei ein weiter. Wie verlief der Berufseinstieg?
Rayk Goetze: Ich wollte Zeit meines Lebens zur See fahren, hatte auch die Seetauglichkeitsprüfung absollviert und wollte Matrose mit Abitur werden. Dann kam leider ein Brief aus Berlin in dem stand, „... dieser junge Mann darf nicht zur See fahren, er hat Westverwandtschaft …“ Meine Eltern bemühten sich dann, mir eine Alternative zu suchen und das einzige, was handhabbar war –  Stahlschiffbauer mit Abitur. Mir als halb mündigen Menschen haben meine Eltern es dann verkauft, mit dem Argument, dass ich anschließend irgendetwas Nautisches studieren kann. „Dann kannst du immer noch zur See fahren.“ Es gab von meiner Seite keinen Bezug zum Material Stahl. Eher ein ziemlich krasses Aufwachen in der proletarischen Realität. Der Kontrast war auch stark, ich war gemischt in der Abiturklasse – Proletarier und Intellektuelle. Eine in der DDR gängige Ausbildungsversion.

0381-MAGAZIN: Wie sind Sie denn zu der Kunst gekommen?
Goetze: Die Kunst war vermutlich schon die ganze Zeit da, ohne dass ich es genau gewusst habe. Angefangen in der Sportschule, wo ich Aufträge bekommen habe, BRAVO-Poster von „KISS“ oder den „STONES“ abzuzeichnen und damit Geld verdient habe. Ich entdeckte dann, dass es eine Form ist, in der ich wunderbar in der Arbeit versinken kann. Ein komplettes Gegenteil zu meiner sonstigen Freizeit, in der ich mich fast ausschließlich in kollektiven Räumen aufgehalten habe, sei es im Mehrbettzimmer oder bei Wettkämpfen als Sportler. Bei der Kunst war es schließlich ein Gefühl der individuellen Versenkung. Zwischen Abitur und der Armeezeit hat es sich deutlich gezeigt, dass der Zug zum Bild nicht aufzuhalten war, so entstand auch der Wunsch, dem mit einem Studium maximal nachzugehen. Ich bin in der Armeezeit diverse Eignungsprüfungen gesurft, hatte erst an der Burg einen Studienplatz, dann in Weißensee und später in Leipzig. 1990 bin ich dort an der HGB in Leipzig gelandet.

0381-MAGAZIN: Die Leipziger Schule war zu dem Zeitpunkt bekannt und hatte einen hervoragenden Ruf. War das der Grund, nach Leipzig zu gehen, um dort möglichst schnell Erfolg zu haben oder warum wurde es nun Leipzig?
Goetze: Die Sprache der Malerei war der Grund, nach Leipzig zu gehen. Der Umgang mit Malerei und Gegenständlichkeit war meinem Stil am näc­hsten. Jede der drei Kunstzentren in der DDR hatten seinen Stil. Berlin stand für dirty, brachialen Zugriff auf Material, Straßenschluchten, dunkle Akte – nicht interessiert am Leben. Dresden war eher so die feine Malkultur, venezianisch, hier ging es um Temperaturen in der Farbigkeit. Leipzig hatten den Zugriff auf die Figur, fast florentinisch und Arno Rink hat dort gelehrt. Das war das Richtige für mich.

0381-MAGAZIN: Sie wurden in Leipzig Teil der Neuen Leipziger Schule. Wie lebt es sich damit? 
Goetze: Natürlich möchte man als Individuum wahrgenommen werden, das hilft natürlich auch, ist aber genauso eine Last auf den Schultern, die man gerne abschütteln möchte. In genau diesem Konfliktfeld halte ich mich gerade auf. Ich werde aber einen Teufel tun und meine Wurzeln verleugnen. Ich bin halt ein Teil davon, kann aber sagen, dass zu dem Zeitpunkt, als die „Neue Leipziger Schule“ richtig an Fahrt aufgenommen hat, ich in Potsdam angefangen habe zu arbeiten.

0381-MAGAZIN: Arno Rink, Neo Rauch – was ist an der Zusammenarbeit besonders in Erinnerung geblieben, was hat geprägt?
Goetze: In der Reihenfolge, erst Rink dann Rauch. Rink war eher die väterlich souveräne Figur, die in der Lage war, dem Studenten Rayk Götze an Stellen, wo es notwendig war, Kraft und Zuversicht zu vermitteln. Er sah das Talent und die Zukunft in mir, darüber war ich mir noch im Unklaren. Rinke meinte zu mir einmal: „Wenn Sie 40 Zeichnungen hinter sich gebracht haben, wirft Sie erstmal nichts mehr um“. Er war auch derjenige, der für das Malen gesprochen hat. In einer Zeit, als viele Kollegen der Malerei abgesagt hatten. Mitte der 90er, als die ganzen Westprofessoren kamen und über Videokunst oder Installation sprachen, ungefähr zu dieser Zeit sagte Rink mir: „Das ist der beste Zeitpunkt, um ins Atelier zu gehen, um zu malen“. Er hatte recht. Es hat keine fünf Jahre gedauert und das Blatt hat sich total gewendet. Neo Rauch trat dabei als Assistenz in die Klasse von Arno Rink. Entwickelte dabei auch seine eigene Ausstrahlungskraft, sehr zurückhaltend. Arno Rink war da schon ein älterer Herr, der in seinem Werk kleine Schritte machte, Neo Rauch noch etwas jünger und auch hungriger Assistent, der sich auszusprechen begann, in großen Schritten sein Werk entwickelte. Sowas strahlt natürlich aus.

0381-MAGAZIN: Auf ihren Bildern trifft ungegenständlich Abstraktes auf Realistisches – was ist zuerst da? Gibt es ein Konzept, wenn Sie beginnen, ein Werk zu malen?
Goetze: Das hat sich über die Jahre hinweg geändert. Das Konzept ist nicht strategischer Struktur, sondern es entspringt dem Wunsch, eine Bildarchitektur zu stellen, die mich selbst zutiefst befriedigt. Wenn ich in der Gegenständlichkeit einen bestimmten Punkt der Vollkommenheit erreicht habe, setzt ein Gefühl von Langeweile ein. Dem versuche ich im Bild entgegenzusteuern. In erster Instanz muss ich von dem Bild befriedigt sein. Manchmal eröffne ich ein Bild abstrakt, weil ich ein großes Vergnügen an der Farbe als Material an sich habe. Arno Rink meinte damals zu mir, ich soll mich entscheiden, „beide Pfade gehen nicht“. Das stellte Rinks Grenzen zu seiner Zeit dar. Ich kann jetzt halt beides tun. Früher habe ich auch Gegenständliches bis zur Unkenntlichkeit wieder zerstört.
Dieser Eingriff erzeugt dann eine größere Realität als das einfach Abgebildete. Inzwischen bin ich so, dass ich die große weiße Leinwand erst mit vielen Dingen misshandele, die realistische, schnelle, abstrakte, landschaftliche Formen annehmen, manchmal weiß ich es auch nicht, das ist sicher auch der Grund, warum ich nicht aufhöre zu malen – die Auseinandersetzung mit dem Objekt.

0381-MAGAZIN: Sie waren bereits 2010 während eines Stipendiums im Schleswig-Holstein-Haus länger in Rostock – welche Erinnerungen haben Sie an die Zeit? 
Goetze: 2010 ist schon eine Weile her, aber ich erinnere mich gut, da in dieser Zeit meine Arbeit eine Wendung erhalten hat. Nach vielen Jahren war ich zum ersten Mal in einem Atelier, welches relativ klein war. Ich bin ursprünglich aus der Spinnerei in Leipzig große und hohe Räume gewöhnt. Zu dem Zeitpunkt hatte ich mich entschieden, mir zum ersten Mal eine Lesebrille zuzulegen, weil das nötig war. Jetzt fand ich mich plötzlich in der Lage, kleine Formate zu gestalten. Dort habe ich im Prinzip begonnen, kleinformatig zu arbeiten. Mit großer Freude sogar sehr kleinformatig. Ich kam mir nicht lächerlich vor, kleine Format im großen Atelier, sondern hier kleine Format im kleinen Raum zu machen. Das hat eine neue Intimität und Verdichtung als malerische Sprachoption zur Folge gehabt.

0381-MAGAZIN: Es macht Spaß, Ihre Bilder lange zu betrachten, man entdeckt immer wieder neue Details … die Abguckerscheinungen sind gering … 
Goetze: Erste Regel der Kunst: Du sollst nicht langweilen! Was nicht heisst, es muss immer Action sein. Man kann auch eine monochrome Fläche machen und ein bestimmtes Publikum damit unterhalten. Die kommen dann angerannt „Guck dir diese Vermeidung an – ist das toll …“
Mein Wunsch ist, dass meine Bilder ein klares Signal des Begehrens auslösen, nicht des Erwerbs, was auch ok ist. Sondern eher: „Ich muss mir das ansehen!“. Je näher man kommt, um so mehr sieht man bzw. man kommt zu dem Entschluss, es ist alle nur Materie. Farbe. Ich möchte mich bei meiner Arbeit auch nicht langweilen und diskutiere Malerei als Gegenwartsphänomen der Kunst. Dazu gehört, was ist möglich mit Malerei in der Gegenwart, wenn man auf den Schultern so vieler fantastischer Maler, bis hin zur Antike steht. Es scheint, als sei alles bereits gesagt, aber dem ist nicht so, denn ich bin Kind meiner Gegenwart, mit meiner Generationsherkunft, meinem Bildwillen.
Die Bilder sollen reich sein, sollen widersprüchlich sein, das ist Absicht. Trotzdem homogen. Es gibt Sammler von mir, die mir berichten, dass sie überrascht sind, was sie nach Jahren immer wieder neu in den Bildern entdecken. Dafür bin ich total dankbar.

HENRYK JANZEN

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