Für Herbert Hanel, Wolfgang Wolter und Reinhard Zerahn geht es im Oktober auf eine ganz besondere Fußballreise. Die drei Kicker aus Mecklenburg-Vorpommern gehören zur deutschen Ü70-Nationalmannschaft, die bei der Weltmeisterschaft in Australien antritt. Zum Auftakt wartet gleich der Gastgeber.
Einmal das Trikot der deutschen Nationalmannschaft tragen und dafür um die halbe Welt reisen: Was für viele Fußballer ein unerfüllter Traum bleibt, wird für Herbert Hanel und Wolfgang Wolter aus Rostock sowie Reinhard Zerahn aus Marlow im Oktober Wirklichkeit. Das Trio wurde für die deutsche Ü70-Auswahl nominiert und reist zur Weltmeisterschaft nach Australien.
Bevor die Koffer gepackt werden, wurden die drei Fußballer im Schweriner Ministerium offiziell verabschiedet. Dabei sind die Rollen auf dem Platz klar verteilt: Zerahn kümmert sich als kompromissloser Verteidiger um die Arbeit gegen den Ball, Wolter zieht im Mittelfeld die Fäden und Hanel übernimmt als klassischer Zehner den kreativen Part.
Dass Fußball auch jenseits der 70 in Mecklenburg-Vorpommern längst kein gemütlicher Freizeitkick ist, zeigen die drei Nationalspieler. Ü70-Mannschaften sind im Land weiterhin bei Turnieren, Freundschaftsspielen und in Traditionsmannschaften aktiv. Die drei WM-Nominierungen sind damit auch ein Zeichen für eine Fußballgeneration, die noch lange keine Lust hat, die Schuhe an den Nagel zu hängen.
Für Wolfgang Wolter ist das Nationaltrikot nicht der erste Auftritt auf höherem Niveau. Der gebürtige Rostocker spielte Ende der 1970er-Jahre für den FC Hansa Rostock in der DDR-Oberliga und kam zudem auf insgesamt 87 Einsätze in der DDR-Liga.
Auch im Seniorenfußball sammelte Wolter bereits Titel. Gemeinsam mit Reinhard Zerahn war er für die SG Marlow/Rostocker FC erfolgreich. 2018 gewann die Mannschaft die deutsche Ü60-Meisterschaft auf dem Kleinfeld.
Nun wartet eine deutlich weitere Auswärtsfahrt. Vom 12. bis 16. Oktober wird in Queensland bei Brisbane um den Ü70-Weltmeistertitel gespielt. Und der Turnierplan gönnt der deutschen Mannschaft zum Auftakt keine lange Eingewöhnungsphase: Im ersten Spiel geht es direkt gegen Gastgeber Australien, noch am selben Tag folgt die zweite Partie gegen die USA.
Die Ü70-Weltmeisterschaft wird seit 2017 ausgetragen. Initiiert wurde die internationale Bewegung vom australischen Verband OASIS – „Older And Still Into Soccer“. Seitdem treffen sich ältere Fußballer aus verschiedenen Ländern regelmäßig zu internationalen Turnieren.
Deutschland hat dabei bereits Erfolge gefeiert. Bei der Weltmeisterschaft im vergangenen Jahr in Tokio sicherte sich die deutsche Ü75-Auswahl den Titel. Auch bei internationalen Turnieren in Dänemark und Wales landeten deutsche Mannschaften auf vorderen Plätzen.
Nun wollen Hanel, Wolter und Zerahn mit der Ü70-Auswahl in Australien nachlegen. Und ganz nebenbei zeigen die drei, dass eine Fußballkarriere nicht zwingend mit 35 enden muss. Manchmal fängt das Abenteuer Nationalmannschaft eben erst einige Jahrzehnte später an.
Foto: Ministerin Drese verabschiedete Reinhard Zer
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