KINO
FiSH Filmfestival 2026
Apr 26
Nachwuchsförderung, Kulturraum und demokratische Stimme Mecklenburg-Vorpommerns
Seit über zwei Jahrzehnten ist das FiSH Filmfestival Rostock ein entscheidender Motor für junge Filmkultur im Nordosten Deutschlands. 2004 aus einer lokalen Idee entstanden, hat es sich zum wichtigsten Nachwuchsfilmfestival Mecklenburg-Vorpommerns und zu einer etablierten Größe im bundesweiten und nordeuropäischen Kulturkalender entwickelt.
Als einziges Festival dieser Art im Bundesland bietet FiSH jungen Filmschaffenden bis 26 Jahre eine professionelle Bühne, kreative Heimat und Zugang zu Netzwerken, die sonst vor allem in filmstarken Regionen existieren. Unter der Schirmherrschaft von Ministerpräsidentin Manuela Schwesig und Rostocks Oberbürgermeisterin Eva-Maria Kröger zieht das Festival jedes Frühjahr mehrere tausend Besuchende in den Rostocker Stadthafen.
Wettbewerbe, die Vielfalt zeigen
Das Herz des Festivals bilden zwei filmische Wettbewerbe: der bundesweite Kurzfilmwettbewerb JUNGER FILM für Filmschaffende bis 26 Jahre und der nordeuropäische Kurzfilmwettbewerb OFFshorts: Young Baltic Cinema, der die Filmkulturen des Ostseeraums zusammenführt. Hier begegnen sich Filmschaffende aus Deutschland, Skandinavien, dem Baltikum und weiteren Ostseeländern. Ergänzt werden die Hauptreihen durch den Medienkompetenz-Preis Mecklenburg-Vorpommern, der Projekte auszeichnet, die sich der Vermittlung von Medienkompetenz widmen und den Musikvideowettbewerb PopFiSH, der auf kreative Weise das Beste aus Film und Musik verbindet.
Einzigartiges Festivalformat: Öffentliche Jurydiskussionen
Ein besonderes Merkmal von FiSH ist der öffentliche Jury-Austausch. Direkt nach den
Screenings diskutieren Jurymitglieder live auf der Bühne – transparent, nahbar, kontrovers. Dies schafft nicht nur eine außergewöhnlich offene Festivalatmosphäre, sondern auch einen filmkulturellen Lernraum für Publikum und junge Talente.
Ein Festival, das zuhört
FiSH macht junge Perspektiven sichtbar. Hier erzählen Filmschaffende, was sie künstlerisch, politisch und emotional bewegt. „Kunst ist immer ein Spiegel ihrer Zeit“, sagt Festivalleiterin Hella Rihl – und genau diese Auseinandersetzung ermöglicht das Festival. In einer Zeit, in der demokratische Strukturen unter Druck geraten und gesellschaftliche Spaltung zunimmt, setzt FiSH ein bewusstes Zeichen: Junge Menschen sollen gehört, ernst genommen und gestärkt werden.
Ganzjährige Wirkung: Medienbildung & Kulturarbeit
Das FiSH Filmfestival Rostock wirkt weit über den Festivalrahmen hinaus. Mit Workshops, mobilen Filmangeboten, Schüler*innenjurys, Community-Events, Auftritten auf Musikfestivals und Kooperationen mit Partnerfestivals in Europa bringt FiSH Filmkultur auch in strukturschwache Regionen Mecklenburg-Vorpommerns. In einem Bundesland ohne eigene Filmhochschule übernimmt das Festival eine zentrale Rolle in der Nachwuchsfilmförderung und hat unter anderem Talente wie Max Gleschinski („Alaska“, „Polizeiruf: Tu es!“) und Marc Sternkiker („Mels Block“) auf ihrem Weg begleitet.
Kultur als demokratischer Ort
Die langjährige Arbeit des Festivals gründet auf der Überzeugung, dass Kultur kein „weicher Faktor“ ist, sondern gesellschaftliche Notwendigkeit. Sie schafft Begegnungen, stärkt kritisches Denken, fördert Dialog und stiftet Gemeinschaft. Junge Menschen werden ernst genommen und in die Gestaltung von Kultur und Gesellschaft einbezogen. „To be listened to by older people is cool“, sagt eine 13-jährige Filmemacherin – und beschreibt damit, wofür das FiSH Filmfestival Rostock steht.
Fazit: Film, Bildung und gesellschaftliche Verantwortung.
23. bis 26.04.2026 · Stadthafen Rostock
Festivalleiterin Hella Rihl im Interview
0381-Magazin: Das FiSH Filmfestival findet seit 2004 in Rostock statt und hat sich zu einem wichtigen Treffpunkt für junge Filmschaffende entwickelt. Was macht das Festival Ihrer Meinung nach bis heute so besonders?
Hella: Das FiSH ist ein absoluter Ort der Begegnung. Gerade für Filmschaffende aus MV (als Bundesland ohne eigene Filmuni) ist das FiSH ein ganz wichtiger Ort der Vernetzung geworden. Filmschaffende aus Deutschland, Nordeuropa und Mecklenburg-Vorpommern treffen aufeinander, tauschen sich aus und lernen voneinander. Nicht selten entstehen hier Verbindungen, die die Zeit überdauern und in Kooperationen und gemeinsamen Projekten münden - u.a. sehr schön im Sehsterne Programm zu sehen. Darüber hinaus bringen wir junge Nachwuchsfilmschaffende mit Persönlichkeiten aus der Branche zusammen, bieten Workshops und Talkformate um den Einstieg in eben diese Branche zu erleichtern. Wir bekommen tolles Feedback von Filmschaffenden, die durch das FiSH angefangen haben Filme zu machen, heute in der Filmbranche unterwegs sind und dafür sehr dankbar sind.
0381-Magazin: Im Mittelpunkt stehen die Wettbewerbe JUNGER FILM und OFFshorts – Young Baltic Cinema. Welche Themen oder Perspektiven bringen junge Filmschaffende aktuell besonders häufig auf die Leinwand?
Hella: Wir haben natürlich immer nur einen kleinen Einblick in die Themen, die junge Menschen in Deutschland und Nordeuropa beschäftigen – auch wenn es im Endeffekt über 700 Filme sind, die wir sichten. Und doch lässt sich klar erkennen, dass junge Menschen sich viel mit aktuellen Lebensumständen auseinandersetzen: Wie wollen und können wir leben, in einer Welt, in der andere über uns entscheiden? Wie frei können wir sein. Das betrifft Themen wie Wehrpflicht und Krieg, Beziehungsformen und Freundschaft oder Erwachsenwerden in einer sehr turbulenten Welt.
Für uns als Festival ist dabei immer am schönsten, dass die Filmschaffenden uns in gewisser Weise einen Vertrauensvorschub gewähren indem sie uns ihre Filme zuschicken, indem sie uns an ihren Gedanken teilhaben lassen. Und wir freuen uns, diesen Stimmen beim Festival einen Raum zu geben.
0381-Magazin: Das Festival versteht sich als Plattform für Menschen bis 26 Jahre. Warum ist es gerade heute wichtig, jungen Stimmen und neuen Sichtweisen im Film eine Bühne zu geben?
Hella: Gerade weil die Interessen und Themen einer jungen Generation in unserer Gesellschaft häufig nicht so abgebildet und gehört werden, wie sie es eigentlich müssten. Dabei ist die Ehrlichkeit, Komplexität und Neugierde die in den Filmen insbesondere junger Filmschaffender steckt beeindruckend. Nicht nur wir als Festival, sondern auch das Publikum können viel daraus lernen, wie junge Menschen unsere Gegenwart sehen – und welche Fragen sie an die Zukunft stellen. Vielleicht sogar, wie wir unsere Welt ein bisschen besser machen können, wenn wir junge Menschen ernst nehmen. Die Filmschaffenden, die heute beim FiSH ihre Filme zeigen, sind diejenigen, die das Kino der kommenden Jahre prägen werden – manche von ihnen vielleicht sogar als die Stars von morgen.
0381-Magazin: Ein Alleinstellungsmerkmal des Festivals sind die öffentlichen Jurydiskussionen. Wie erleben Sie diese Gespräche auf der Bühne – und welchen Mehrwert bieten sie für Publikum und Filmschaffende?
Hella: Anders als bei anderen Festivals besprechen die Jurys beim FiSH alle Wettbewerbsfilme öffentlich auf der Bühne und vor Publikum. So wird transparent, wie unterschiedliche Perspektiven auf Filme entstehen. Für die Filmemacher:innen ist das ein sehr direktes und wertvolles Feedback, dass in ihre Arbeit als Filmschaffende einfließen kann. Und gleichermaßen - insbesondere in Zeiten, in denen vieles schnell als Schwarz oder Weiß eingeordnet wird – ist es schön zu erleben, wie vielfältig Meinungen sein können und dass genau darin eine große Stärke liegt. Diese Offenheit prägt die Atmosphäre des Festivals: Sie schafft eine lebendige Diskussionskultur und ein respektvolles Miteinander, das wir beim FiSH sehr schätzen.
0381-Magazin: Das FiSH Filmfestival hat in Rostock und darüber hinaus einen festen Platz in der Kulturszene. Welche Rolle spielt das Festival für die Film- und Kulturlandschaft in Mecklenburg-Vorpommern?
Hella: Das FiSH Filmfestival ist eines der wichtigsten Filmfestivals in Mecklenburg-Vorpommern und hat sich über die Jahre als das Nachwuchsfilmfestival im Norden etabliert. Es ist es international vernetzt und zieht jedes Jahr junge Filmschaffende sowie Branchenvertreter:innen aus Deutschland und dem Ostseeraum nach Rostock.
0381-Magazin: Viele Filmschaffende sind beim FiSH noch am Anfang ihrer Karriere. Gibt es ehemalige Teilnehmerinnen oder Teilnehmer, deren Weg Sie heute besonders stolz verfolgen?
Hella: Wir verfolgen die Wege unserer Filmschaffenden natürlich sehr aufmerksam und freuen uns immer wieder zu hören, wohin sie ihr Weg führt. Viele der jungen Regisseur:innen, die beim FiSH ihre ersten Filme zeigen, machen später weiter Filme, gehen an Filmhochschulen, gewinnen Preise oder finden ihren Platz in der Branche. Seit einigen Jahren haben wir dafür sogar eine eigene Reihe im Rahmenprogramm: Startrampe FiSH. Dort laden wir Filmschaffende ein, die früher mit einem Kurzfilm beim Festival waren und nun mit einer größeren Produktion zurückkehren. Sie berichten von ihrem Werdegang und geben Einblicke in ihre Arbeit. Zu Gast waren hier zum Beispiel Axel Ranisch mit Orphea in Love oder der Rostocker Regisseur Max Gleschinski mit seinem Polizeiruf 110. Und manchmal schließt sich der Kreis sogar ganz: Einige ehemalige Teilnehmer:innen kommen später als Jurymitglieder zurück – wie etwa die Regisseurin Pola Beck. Ganz nach dem Motto: FiSH is where it all begins..
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