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„Unser Schmerz ist unsere Kraft“
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Lesung mit Gamze Kubasik und Christine Werner | Moderation: Ali Sirin
Gamze Kubasik und Semiya Simsek verloren durch die Mordserie des rechtsterroristischen NSU ihre Väter. Am 9. September 2000 wurde Enver Simsek in Nürnberg und am 4. April 2006 Mehmet Kubasik in Dortmund von dem rechtsterroristischen NSU ermordet. Neben Enver Simsek und Mehmet Kubasik ermordete der NSU zwischen 2000 und 2007 Abdurrahim Özüdogru, Süleyman Tasköprü, Habil Kiliç, Mehmet Turgut, Ismail Yasar, Theodoros Boulgarides, Halit Yozgat und Michèle Kiesewetter.
Gamze Kubasik wird über ihre Familiengeschichte, ihren Vater, den NSU-Komplex und ihren Kampf um Aufklärung sowie Erinnerung sprechen. Sie wird erzählen, wie sie die erschütternden Geschehnisse damals erlebte und wie die Morde sie aus ihrem bisherigen Leben rissen. Aber auch darüber, wie sie und Semiya Simsek gemeinsam eine ungeheure Kraft entwickeln konnten, die sie bis heute immer weiterkämpfen lässt: gegen das Vergessen und für eine Zukunft ohne Ausgrenzung. Das Jugendbuch »Unser Schmerz ist unsere Kraft« greift diese Punkte und die Erinnerungsarbeit auf.
Bis zur sogenannten Selbstenttarnung des NSU im November 2011 wurden die Angehörigen der Opfer durch Strafverfolgungsbehörden, Verwaltung und Politik, aber auch von Teilen der Medien nicht ernst genommen, allein gelassen und sogar verdächtigt, selbst in die Mordtaten und Anschläge verwickelt zu sein. Die Ignoranz sowie die falschen Beschuldigungen gegenüber den Opfern und ihren Angehörigen waren vielfach von rassistischen Haltungen geprägt. Deren Forderungen nach lückenloser Aufklärung der Taten des NSU und des dahinterstehenden neonazistischen Netzwerks wurden in den folgenden Jahren nicht erfüllt, bis heute ungeklärt ist nicht zuletzt die Rolle, die Inlandsgeheimdienste und Strafverfolgungsbehörden im NSU-Komplex spielten.
Gamze Kubasik und Semiya Simsek lernten sich bei dem Schweigemarsch in Kassel im Mai 2006 kennen, den die Familie Yozgat, deren Sohn Halit am 6. April 2006 in seinem Internetcafé ermordet worden war, unter dem Motto »Kein zehntes Opfer!« organisiert hatte. Seither kämpfen sie gemeinsam um Aufklärung, Erinnerung und Konsequenzen.
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